ETF unter der Lupe
„Cash“ bringt doch Rendite

Niedrige Zinssätze verderben so manchem Anleger derzeit die Lust an Geldmarktfonds oder Festgeldern. Mit einer Währungsstrategie lassen sich dennoch erstaunliche Renditen erzielen. Die Devisenmärkte können allerdings auch irrational reagieren.

Der Devisenmarkt gilt allgemein als Markt für Profis. Er entsteht nicht an einer Börse, sondern durch den weltweiten Austausch zwischen Banken. Neben fehlendem Zugang gibt es für Privatanleger eine zweite Hürde: Ein Investment in Währungen muss ständig eng begleitet werden. Zumindest theoretisch wird sich eine Währung niemals dauerhaft deutlich besser als eine andere entwickeln, sondern irgendwann in der Kaufkraft wieder zurückfallen.

Dass mit den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkten dennoch ein ordentlicher Gewinn am Devisenmarkt erzielt werden kann, zeigt zurzeit X-Trackers, die ETF-Sparte der Deutschen Bank, mit ihrem Currency Valuation ETF. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate schaffte der Indexfonds mit Währungsgeschäften ein Plus von stolzen 37,46 Prozent (Stand: 23.06.2009). Ungleichgewichte ausnutzen Der Ansatz des zugrunde liegenden Index ist die sogenannte Kaufkraftparität von Währungen. Diese Theorie besagt, dass die Kaufkraft unterschiedlicher Währungen sich auf Dauer ähnlich entwickelt, ein bestimmter Warenkorb also unabhängig von der Art der Bezahlung immer ungefähr gleich viel kostet. Kurzfristig gibt es demnach allerdings erhebliche Abweichungen von dieser Kaufkraftparität - vor allem, weil Geldmarkt- Investoren die Nachfrage nach einer bestimmten Währung stark beeinflussen.

Der Currency Valuation Index von DB x-trackers konzentriert sich auf die sogenannten G10-Währungen, die zu den stabilsten Währungsräumen der Welt gehören: Australischer, Neuseeländischer, Kanadischer und US-Dollar, Euro, Schweizer Franken, Britisches Pfund, Japanischer Yen und die Norwegische und Schwedische Krone. Die Mechanik: Jedes Quartal werden sechs Währungen ausgesucht - die drei, die laut einem OECD-Warenkorb am wenigsten wert sind sowie die drei, die laut demselben Warenkorb am meisten wert sind. Anschließend investiert der Index, der hinter dem ETF steht, für die nächsten drei Monate in die unterbewerteten Währungen und verkauft die überbewerteten.

Wer sich mit Währungsinvestments auskennt, wird hier vielleicht an die vor zwei Jahren oft zitierten Carry Trades denken. Jene Strategie, nach der Investoren Kredite in einer Währung aufnehmen, umsie in einer anderen anzulegen. Die Doppelstrategie - sie kann von Zinsunterschieden ebenso profitieren wie von sich ändernden Wechselkursen - war in den vergangenen Jahrzehnten ebenso profitabel wie riskant. Jahresgewinne im hohen zweistelligen Prozentbereich standen ebenso große Jahresverluste gegenüber. Eine solche Strategie ist jedoch nicht Teil des Currency Valuation- Index. Während Carry Trades vor allem auf unterschiedliche Zinsniveaus abzielen, setzt der Index darauf, dass unterbewertete Währungen ihren Wechselkursrückstand wieder aufholen.

Doch trotz der großen Gewinne und der einleuchtenden Strategie ist das Investment nicht ohne Risiko. "Investoren sollten auf jeden Fall einen längeren Anlagehorizont haben und die Währungsgeschäfte als Beimischung zum Portfolio sehen", sagt Thorsten Michalik von X-Trackers. Die größte Gefahr für ein solches Investment ist die Angst der Anleger selbst. "Zu den Risiken gehört auch, dass die Bewegungen an den Devisenmärkten wieder weniger rational werden", so Deutsche Bank-Experte Stefan Bielmeier.

Das heißt: In Krisenzeiten tendieren Anleger zur Flucht in Währungen, die als stabil angesehen werden - z.B. den Schweizer Franken. Dass dieser zurzeit laut Warenkorb überbewertet ist, interessiert dann wenig. Auch die Entscheidungen der Regierungen und Zentralbanken können Wechselkurse beeinflussen und so den Ansatz des Strategie-Index aushebeln. Anleger sollten sich also vor dem Kauf überlegen, ob sie im Austausch für die geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen in Kauf nehmen, dass ihr Investment mittelfristig zahlreichen Einflüssen unterliegt, die sich in der Masse kaum voraussagen lassen.

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