Erfolgreich anlegen mit ETFs

Aktienanlage
Der teure Irrtum der Indexfonds

Wirtschaftsforscher zeigen: Die Nachbildung von Kursbarometern bringt weniger Rendite als einfache Investitionsregeln. Millionen Investoren sind der CAPM-Theorie gefolgt. Das Problem ist nur: Die Theorie scheint nicht zu stimmen.
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FrankfurtWer an die Effizienz der Kapitalmärkte und an die CAPM genannte vorherrschende Kapitalmarkttheorie glaubt, der hat es einfach. Er sucht sich passende Indexfonds aus, die mit ihrer Anlagepolitik passiv einen Aktienindex wie zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (Dax) oder den MSCI World nachbilden. Er kauft also die Aktien, die in diesen Indizes enthalten sind – mit genau dem Anteil, der dem Anteil der jeweiligen Aktie im Index entspricht. Das eigene Portfolio vollzieht dann die Kursentwicklung des Gesamtmarktes nach.

Höhere Renditen kann man sich bei effizienten Märkten nicht erhoffen – jedenfalls nach der Theorie nicht, für die der US-Ökonom Eugene Fama den Ökonomienobelpreis bekommen hat. Sie besagt, dass die Finanzmärkte zu jedem Zeitpunkt alle verfügbaren Informationen bereits verarbeitet haben. Keiner kann systematisch schlauer sein als der Markt. Eine stärker ausformulierte Theorie, die auf die Effizienz der Märkte zurückgreift und falsifizierbare Prognosen zulässt, ist das Capital Asset Pricing Model, kurz CAPM.

Millionen Investoren sind den entsprechenden Ratschlägen gefolgt und konzentrieren sich darauf, einen Indexfonds mit geringen Gebühren auszuwählen, der einen bestimmten Aktienmarkt nachbildet. Entsprechende Angebote gibt es zuhauf. Das Problem ist nur: Die Theorie scheint nicht zu stimmen. Nicht nur sind die Annahmen realitätsfern, das ist lange bekannt. Nein, auch die Prognosen treten nicht ein. So lässt sich etwa die Rendite von Portfolios, die nur den Markt nachbilden, mit einfachen Strategien übertreffen.

Der spanische Finanzprofessor Pablo Fernandez von der IESE Business School etwa zeigt, dass eine ganze Reihe der größten Aktienindizes in den letzten Jahren eine zum Teil deutlich schlechtere Wertentwicklung aufwiesen als ein Portfolio, in dem die gleichen Aktien enthalten sind, aber jeweils gleich stark gewichtet – unabhängig vom Börsenwert des jeweiligen Unternehmens.

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die Gleiches oder Ähnliches belegen. So hat Grigroy Vilkov von der Frankfurt School of Finance mit Koautoren in dem Aufsatz „Equal or Value Weighting?“ gezeigt, dass die Rendite gleichgewichteter Testportfolios mit US-Aktien über 40 Jahre hinweg deutlich höher ist als die von marktgewichteten. „Trotzdem empfehlen immer noch viele Finanz-Ratgeber Diversifikation mit gleichen Gewichten wie ein breiter Marktindex“, moniert Fernandez.

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