Erfolgreich anlegen mit ETFs

Commerzbank-Pläne

Umbau bei ETFs und Zertifikaten

Der ehemalige Marktführer im Handel mit Zertifikaten kündigt drastische Kürzungspläne an, die auch das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds betreffen. Beide Geschäftsbereiche haben völlig unterschiedliche Probleme.
Der Vorstandsvorsitzender der Commerzbank sieht rot für die Zukunft der Geschäftsbereiche ETF und Zertifikate innerhalb der Bank. Quelle: dpa
Commerzbank -Martin Zielke

Der Vorstandsvorsitzender der Commerzbank sieht rot für die Zukunft der Geschäftsbereiche ETF und Zertifikate innerhalb der Bank.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Commerzbank streicht ihr Investmentbanking zusammen: Opfer sind das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Zertifikaten. Das erklärte Vorstandschef Martin Zielke in London auf einer Investorenkonferenz. Dafür soll erst eine rechtlich eigenständige Einheit gebildet werden, die dann „mittelfristig“ verkauft oder auch an die Börse gebracht werden soll. Wann genau das passieren soll, sagte Zielke laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung nicht. „Wir werden dafür einen besseren Eigentümer finden“, sagte er. Das sei eher keine Bank.

Die Änderungen dürften die Bank deren Berechnungen zufolge in den kommenden vier Jahren zwar 400 Millionen Euro Ertrag kosten, zugleich aber 500 Millionen Euro Nettokapital freisetzen, das bisher in der Investmentbank gebunden sein. Die Bilanzrisiken würden sich um sechs Milliarden Euro reduzieren, wegen der verschärften Regulierung würden diese Risiken in den nächsten Jahren auf acht Milliarden Euro steigen.

Lufthansa ist Leerverkäufers Liebling

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+29,24 +0,22%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 13

Von fallenden Kursen profitieren
Wer an den Wertverfall einer Aktie glaubt, kann mit Leerverkäufen am Kursverfall verdienen. Dazu leihen sich Fonds Aktien, verkaufen diese und hoffen später zu einem günstigeren Kurs Papiere derselben Firma zurückzukaufen. Dann geben sie die dem Verleiher die Aktien zurück. Die Differenz zwischen Kurs bei der Leihe und Kurs beim Kauf für die Rückgabe ist der Gewinn.

Einige Fonds haben sich auf Leerverkäufe spezialisiert wie die Londoner Gesellschaft Marshall Wace. Positionen von mehr als 0,5 Prozent an Leerverkäufen eines Wert müssen im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Derzeit haben es die „Shorties“, wie Leerverkäufer auch genannt werden, vor allem auf folgende deutsche Papiere abgesehen.

Software AG

WKN
ISIN
Börse

Chart von Software AG
Software AG
2 von 13

Bei der Software AG setzen derzeit drei Gesellschaften mit einem Volumen von mindestens 0,5 Prozent der ausgegebenen Aktien auf fallende Kurse: Allianz Global Investors, Blackrock und Marshall Wace.

Unterschreitet eine Netto-Leerverkaufsposition 0,5 Prozent, müssen das die Unternehmen vermelden - doch unter der Schwelle ist der Öffentlichkeit nicht ersichtlich, wie stark die „Shorties“ engagiert sind.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,12 Prozent

(Stand aller Angaben: 28. Juli 2016)

SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1K0235
Börse
FSE

-0,56 -3,15%
+17,18€
Chart von SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Süss MicroTec
3 von 13

Gegenwärtig halten Citadel Investors, JP Morgan Asset Management, Oxford Asset Management und World Quant Leerverkaufspositionen von jeweils 0,5 Prozent oder etwas mehr an dem Spezialmaschinen-Bauer Süss MicroTec.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,33 Prozent

FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005773303
Börse
FSE

+0,12 +0,12%
+96,14€
Chart von FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.
Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide
4 von 13

Auch beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, gibt es vier Fonds mit größeren Short-Positionen. Größter Skeptiker ist Route One Investment Company mit einer Position im Volumen von 0,79 Prozent der Fraport-Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,39 Prozent

BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20

WKN
ISIN
CH0038389992
Börse
FSE

+1,00 +1,68%
+60,20€
Chart von BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20
BB Biotech
5 von 13

Elliott Capital Advisors ist der Dauerskeptiker beim Biotechnologie-Unternehmen BB Biotech. Bei der letzten Mitteilung vom 27. Juli betrug die Short-Position des US-Hedgefonds 2,53 Prozent.

Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,53 Prozent

BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
FSE

+0,28 +0,71%
+39,68€
Chart von BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.
Bilfinger
6 von 13

Der Baudienstleister Bilfinger kämpft seit Jahren mit sich selbst. Hier hält der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock über eine Tochter ein stattliches Short-Paket im Volumen von 1,41 Prozent der Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,65 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
FSE

+0,04 +0,22%
+18,20€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
ElringKlinger
7 von 13

Der Autozulieferer ElringKlinger hat zuletzt mit Gewinnwarnungen für Aufsehen gesorgt, die Aktie fiel auf ein Fünf-Jahres-Tief. Eigentlich kein Wunder, dass dadurch Spekulanten angelockt werden. Mit dabei ist etwa der britische Hedgefonds Marshall Wace mit einer Position im Umfang von 0,62 Prozent.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,72 Prozent

Das Geschäft mit ETFs und Zertifikaten entwickelt sich unterschiedlich: Der Handel mit Indexfonds wächst, immer mehr private Anleger und auch institutionelle Anleger entscheiden sich für die einfachen und sehr günstigen Produkte. Größe spielt in dem Markt eine entscheidende Rolle, die die Commerzbank mit ihrer Tochter Comstage als Nummer vier der Branche aber noch nicht erreicht hat. Den Markt dominieren Blackrock, die mit ihrem Anbieter iShares knapp die Hälfte des Marktes ausmacht. Die Deutsche Bank ist mit db-xtrackers zuletzt stark gewachsen und steht auf Platz zwei.

Die Commerzbank selbst betont, sie wolle sich von dem Geschäft mit Anlage- und Finanzprodukten und das dazugehörige Market-Making aus dem Bereich „Equity Markets & Commodities“ nicht trennen, sondern es nur in eine Tochtergesellschaft überführen. "Details sind abhängig von Gremienverhandlungen", sagt ein Sprecher der Bank. Für Inhaber von Commerzbank-Zertifikaten ändere sich durch den Schritt aber nichts. Das gelte auch für ComStage ETFs, die ohnehin als Sondervermögen gelten. 

Die neue Tochtergesellschaft werde sich "voll auf ihr Kerngeschäft als einer der führenden europäischen und asiatischen Anbieter und Market-Maker für Finanzprodukte konzentrieren" und solle mittelfristig an den Markt gebracht werden.

Dieser Markt ist jedoch hart umkämpft, die laufenden Jahresgebühren für Indexfonds bewegen sich tendenziell nach unten. Das liegt an den erwarteten sinkenden Wertpapiererträgen, den kräftig gefallenen Anleiherenditen und am wachsenden Kostendruck bei den Großinvestoren. Ihnen gelingt es teilweise erfolgreich, die Fondsanbieter bei den geforderten Gebühren unter Druck zu setzen.

Denn auch wenn die Produkte bei Privatanlegern an Beliebtheit gewinnen: Der Markt wird von Investments der Versicherungen und Pensionskassen dominiert. Für die Vermögensverwalter fallen kaum Kosten für Fondsmanager und Analysen an. Sie folgen im Depot blind der Struktur einer vorgegebenen Messlatte wie dem Dax. Der Aufwand ist recht gering. Deshalb sind auch die Gebühren für die Anleger niedrig.

Zertifikatemarkt vor Einschnitten
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