ETFs als Liquiditätsersatz
Deutsche Nebenwertefonds nutzen Ausverkauf

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen – das gilt auch für den Geschäftsführer der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis, Hendrik Leber. So investiert der bekennende Value-Investor und Warren-Buffett-Fan zurzeit zehn Prozent des Vermögens des Acatis Aktien Deutschland ELM in zwei börsennotierte Indexfonds (ETFs) auf den Dax.

HAMBURG. "Die ETFs dienen als Liquiditätsersatz", erklärt Frank Lübberstedt von der Lübecker Finanzberatung Ehrke & Lübberstedt, die den Fonds zusammen mit Acatis 2003 auf den Markt gebracht hat und gemeinsam managt. Das gleiche gilt für die rund sechs Prozent Dax-Aktien im Portfolio. Hinzu kommt ein Cash-Anteil von gut 15 Prozent, der in den nächsten Monaten sinken soll. Ansonsten setzen die beiden Partner jedoch auf deutsche Nebenwerte, und dabei waren sie in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Minus von weniger als 40 Prozent erfolgreicher als die meisten Konkurrenten (siehe Tabelle).

"Wir suchen Unternehmen mit soliden Bilanzdaten, einer hohen Eigenkapitalquote und hoher Liquidität. Zudem sollten sie einen starken Burggraben um ihr Geschäft gebaut haben", beschreibt Lübberstedt die Anlagephilosophie. Daraus resultieren Aktienkäufe von Unternehmen, die es gut durch die Krise schaffen sollten, aber auch von zyklischen Unternehmen, die bereits einen sehr hohen Kursabschlag hinnehmen mussten. Nahezu völlig resistent gegen die Krise zeigt sich zum Beispiel Biotest. Das Biotech-Unternehmen gehört zu den Top-Ten-Positionen im Fonds und hat seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt.

Noch etwas besser als der Acatis-Fonds überstand der Multiadvisor Sicav Privat Invest die vergangenen zwölf Monate und belegt damit den Spitzenplatz im Ein-Jahres-Vergleich. Manager des im August 2000 aufgelegten Fonds ist die Heidelberger FPS Vermögensverwaltung unter der Leitung von Georg Zours. Der Fonds darf europaweit anlegen, 80 bis 90 Prozent des Fondsvermögens stecken jedoch in deutschen Nebenwerten. Zu den größten Positionen gehören Ad Capital, Deutsche Balaton und Deutsche Beteiligungs AG.

Neben unterbewerteten Aktien sucht der Heidelberger Vermögensverwalter nach Unternehmen, die sich in speziellen Situationen, etwa in der Übernahmephase, befinden. Unter den Top-Ten-Aktien findet sich beispielsweise auch die Kölnische Rückversicherung. Der Hauptaktionär General Re will das Unternehmen vollständig übernehmen und lockt mit Barabfindungen. Wirtschaftliche Makrodaten spielen für FPS bei der Aktienauswahl nur einen Nebenrolle, hauptsächlich zählen wie beim Acatis-Fonds die Unternehmenszahlen - und die findet FPS bei vielen Firmen im Verhältnis zum Aktienkurs derzeit so günstig, dass der Fonds zu fast 100 Prozent investiert ist.

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