ETFs
Neuer Schwung am Markt für Indexfonds

Die Dynamik im Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) erreicht eine neue Stufe. Barclays als weltgrößter Anbieter in diesem Segment will seine Sparte verkaufen. Gleichzeitig steigt ein Investmentbanken-Trio aus Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch unter dem Markennamen "Source" in wenigen Tagen in dieses Geschäftsfeld ein.

FRANKFURT. Die Dynamik im Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) erreicht eine neue Stufe. Barclays als weltgrößter Anbieter in diesem Segment will seine Sparte verkaufen. Gleichzeitig steigt ein Investmentbanken-Trio aus Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merrill Lynch unter dem Markennamen "Source" in wenigen Tagen in dieses Geschäftsfeld ein - damit bestätigten sich Spekulationen. Die Gerüchteküche über weitere Neueinsteiger brodelt. Einige Anbieter wie Credit Suisse wollen ihr bisheriges Engagement bei den Produkten auf Aktienindizes oder Messlatten beispielsweise für Anleihen deutlich ausweiten.

Der Boom ist auch von der Finanzkrise getrieben. Institutionelle Investoren sind unzufrieden mit der Anlageleistung ihrer aktiven Verwalter, die häufig geringere Erträge als ihre Vergleichsindizes abliefern. Sie schwenken außerdem von illiquiden Anlagen auf die jederzeit handelbaren und kostengünstigen ETFs um. Auch im Privatkundengeschäft erobern die Produkte dank ihrer Transparenz und geringen Gebühren allmählich Marktanteile.

Anleger zogen im vergangenen Jahr europaweit aus traditionellen aktiven Fonds 112 Mrd. Dollar ab, legten aber 268 Mrd. Dollar in ETFs an. In Europa tummeln sich derzeit 29 Anbieter mit einem Gesamtvermögen von 102 Mrd. Euro Ende Februar (Grafik). Der Markt ist hoch konzentriert auf Barclays, die französische Lyxor und die Deutsche Bank. Das Indexfondsgeschäft ist dank seines Wachstums attraktiv, allerdings aus Verwaltersicht nur bei hohen Volumina, da die Margen hier gering sind. Der Wettbewerbsdruck durch Konkurrenten könnte durch einen Verkauf der Barclays-Sparte "IShares" sogar noch erhöht werden, schätzen Fondsexperten wie Jan Altmann, Geschäftsführer von 4Assetmanagement. Wenn ein Käufer die Übernahme teilweise aus den laufenden Einnahmen von IShares finanzieren müsse und folglich weniger investieren könne, laufe das Unternehmen Gefahr, an Innovationskraft zu verlieren, meint er. "Ein Verlust von Marktanteilen in dem umkämpften Markt wäre denkbar", sagt Altmann.

Gerade Investmentbanken haben in der jüngeren Vergangenheit das ETF-Feld entdeckt. Sie können hier ihre Derivateexpertise nutzen. So haben in Deutschland in den vergangenen beiden Jahren beispielsweise die Deutsche Bank und die Commerzbank diese Ressourcen zum Einstieg genutzt. Jetzt kommen die erwähnten angelsächsischen Häuser hinzu. Anfang nächster Woche sollen zunächst 50 Produkte an der Deutschen Börse starten. Es sind Fonds auf Standard-Aktienindizes wie den Dax sowie für Messlatten vorwiegend aus dem MSCI- und Stoxx-Universum. Das Projekt hat insofern eine pikante Note, als sich Merrill Lynch vor knapp zehn Jahren - zum Start des europäischen ETF-Marktes - kurz in diesem Geschäft versuchte, sich dann aber verabschiedete.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%