Ethische Anleger
Profis setzen auf Nachhaltigkeit

Lange überwog das Vorurteil, nachhaltige Anlagen brächten Renditenachteile. Jetzt haben Marktstudien die alte Vorstellung widerlegt. Dass institutionelle Investoren der Motor nachhaltiger Geldanlagen sind, zeigen einige aktuelle Beispiele.
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BERLIN. Die staatliche französische Beamtenzusatzversicherung ERAFP hat im Februar Mandate an drei Vermögensverwalter vergeben, die einen Teil ihrer Anlagen künftig nachhaltig managen sollen. Das Volumen kann 1,2 Mrd. Euro erreichen. Im Oktober entschied der Pensionsfonds, alle Kapitalanlagen in Höhe von 8 Mrd. Euro an Nachhaltigkeit auszurichten. Als Research-Partner zur Integration sozialer und ökologischer Kriterien wählte er die Münchner Agentur Oekom Research und die französische Vigeo.

Ebenfalls im Februar haben die schwedischen Pensionsfonds AP 1- 4 einen Ethikrat benannt, der überprüfen soll, ob die 3 500 Unternehmen, an denen die Fonds beteiligt sind, Umwelt- und Sozialstandards beachten. Der Beirat soll die milliardenschweren Investmentportfolien entsprechend durchleuchten. 2006 wurden in Europa bereits 1,3 Bill. Euro mit solchen und anderen Konzepten nachhaltig verwaltet, wie der europäische Dachverband für nachhaltige Investments Eurosif und das Sustainable Business Institut (SBI) in Oestrich-Winkel berechneten. Experten erwarten für dieses Jahr einen deutlichen Zuwachs, auch in Deutschland.

Deutsche Großbanken, Investmenthäuser, Versicherungen und Pensionskassen tauschten sich kürzlich zu den UN-„Principles for Responsible Investment“ (PRI) aus. Dazu verpflichteten sich hierzulande zwar nur die Münchner Rück, deren Aktienanlagen zu 80 Prozent in Nachhaltigkeitsindizes notiert sein müssen, sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Weltweit aber haben 150 Großinvestoren mit 6 Bill. US-Dollar Anlagevolumen die PRI unterzeichnet.

Der Branchenverband der deutschen Finanzanalysten DVFA macht sich seit Januar für eine Berücksichtigung extra-finanzieller Aspekte in der Firmenbewertung stark. Bis Sommer will er konkrete Kennziffern für fünf bis sieben Schlüsselbranchen vorlegen.

Lange überwog das Vorurteil, nachhaltige Anlagen brächten Renditenachteile. Doch Marktstudien erwiesen, dass „Renditen und Risiken mit konventionellen Anlagen vergleichbar und Renditen in Einzelfällen höhere sind“, sagt Henry Schäfer von der Universität Stuttgart.

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