EU-Richtlinie
Fonds fürchten noch mehr Bürokratie

Die neue EU- Richtlinie über „Märkte für Finanzdienstleistungsinstrumente“ (Mifid) bringt nach Aussage von Experten für die Anlagebranche Millionenkosten mit sich.

FRANKFURT/M. Heiko Weyand, bei HSBC Trinkaus & Burkhardt für Zertifikate zuständig, sagt: „Vor allem der IT-Aufwand wird für viele Finanzdienstleister extrem hoch sein.“ Erste Studien aus England gehen von elf Millionen Euro Kosten pro Institut aus. Dazu könnten noch sieben bis acht Millionen Euro zusätzliche Compliance-Kosten (für die Überwachung möglicher Interessenkonflikte) kommen.

Die neue EU-Richtlinie sieht verschärfte organisatorische Anforderungen bei der Anlageberatung und in der Portfolioverwaltung vor. Es geht insbesondere um die Verpflichtungen, Kundengespräche zu dokumentieren, Provisionen offen zu legen, Wertpapierorders so gut wie möglich auszuführen und Interessenkonflikte auszuschalten. Die EU klopft zurzeit die Details fest. Die Anlagebranche kämpft daher noch gegen Vorschläge, die sie als überzogen betrachtet.

Fachleute sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Anlegerschutz als Motiv für die Richtlinie gilt zwar als gute Sache. „Doch manch einer spricht von Regulierungswut angesichts der hohen Aufwendungen für Informationstechnologie und Personal, gerade im Bereich Compliance, also für die Kontrolle der Einhaltung von Gesetzen und Regeln“, sagt Sven Zeller. Der Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei Clifford Chance und Experte für Asset-Management schätzt die dadurch verursachten Zusatzkosten „auf bis zu zehn Prozent der Gesamtkosten“.

Wolfgang Mansfeld, Vorstand des drittgrößten deutschen Fondshauses Union Asset Management Holding, sagt zwar: „Gegenüber ursprünglichen Entwürfen ist die Regelungsdichte schon geschrumpft.“ Doch auch er plädiert für Nachbesserungen. Schon im kommenden Monat werden Weichen gestellt, denn für Oktober hat die EU-Kommission umfassende Konsultationen mit den betroffenen Akteuren vorgesehen. Das sind Asset-Manager, Banken, Finanzdienstleister, Broker und Börsen. „Wir rechnen damit, dass die EU ihre Durchführungsbestimmungen dann im Frühjahr erlassen wird“, erläutert Magdalena Kuper vom deutschen Investmentverband BVI den weiteren politischen Entscheidungsweg.

Andreas Zahn, Partner der internationalen Anwaltskanzlei Ashurst, sieht gravierende Auswirkungen der Mifid im Bereich der Anlageberatung und Portfolioverwaltung. „Nach dem aktuellen Stand der Richtlinie braucht der Anlageberater künftig eine Zulassung und muss bestimmte Wohlverhaltensregeln befolgen“, sagt er. Problematisch sei allerdings noch die Abgrenzung zwischen Beratung und allgemeinen Empfehlungen.

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