EU-Schuldenkrise
Die Waffen der Hedge-Fonds

Hedge-Fonds-Manager hegen Zweifel an der Effizienz des Euro-Rettungsschirms. Sie setzten auf Schuldenschnitte in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Dabei schlagen die Finanzprodukte aus der Krise Kapital.
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FrankfurtStets ein gutes Stück voraus – das sind Hedge-Fonds den Politikern und Notenbankern bei der Wahrheitsfindung schon seit Jahrzehnten. Die derzeitige dramatische Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa ist da keine Ausnahme. Die oft als aggressiv geltenden Investoren sind nicht erst seit 1992 dafür bekannt, Märkte zu bewegen und Politikern den Weg zu weisen. Seinerzeit hatte der Ungar George Soros das britische Pfund attackiert und beinahe das Europäische Währungssystem (EWS) zum Einsturz gebracht.

Dass Politiker diese „Weisheit der Märkte“ in der aktuellen Krise lange ignorierten, rächt sich. Die Manager dieser Fonds hegen Zweifel an der Effizienz des Euro-Rettungsschirms und setzen auf die Notwendigkeit von Schuldenschnitten in Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Nach Griechenland haben sie jetzt Italien an die Anklagemauer gestellt. „Bisher fand ich es angemessen, mir über die Schulden Irlands, Portugals und Griechenlands keine größeren Sorgen zu machen – aber Italien ist anders“, zeigt sich Jim O’Neill, Chairman von Goldman Sachs Asset Management, besorgt.

Die meisten Hedge-Fonds-Manager sehen das ähnlich. Sie verfolgen eine relativ simple Strategie: Sie erwerben als solide und stabil geltende Bundesanleihen und verkaufen gleichzeitig italienische Staatsanleihen – als BTP bekannt. Im Zuge dieser Transaktionen ist die Rendite zehnjähriger italienischer Staatspapiere seit Anfang des Monats Juli von 4,91 Prozent bis auf zuletzt 5,75 Prozent in die Höhe geschossen. Im gleichen Zeitraum fiel die Rendite von Bundesanleihen von 3,04 Prozent auf 2,6 Prozent.

Doch damit ist das Arsenal der Hedge-Fonds-Waffen noch nicht erschöpft. Trotz des von EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier zuletzt angedrohten Verbots von Leerverkäufen erwerben sie Bundesanleihen und nutzen das Leerverkaufsinstrumentarium. Sie verkaufen italienische Staatsanleihen, die sie überhaupt nicht besitzen, sondern sich am Markt ausleihen. Fallen die Kurse der BTP dann stark zurück – wie erwartet – erwerben Hedge-Fonds diese Bonds billig am Markt zurück und schließen das Leihgeschäft mit Gewinn ab.

Hinzu kommt: Die Nervosität der Euro-Märkte kann auch durch den Einsatz künstlicher Finanzprodukte gewinnbringend genutzt werden. Hedge-Fonds-Manager setzen dazu Derivate wie den Bund-Future und den BTP-Future ein. Das sind synthetische Finanzinstrumente, die Staatsanleihen Deutschlands und Italiens abbilden. Das Interessante für Hedge-Fonds: Bei dieser Strategie müssen sie nicht 100 Prozent des dem Kontrakt zugrundeliegenden Werts hinterlegen, sondern lediglich einen Teil (zwischen zehn und 20 Prozent).

Im Falle der jüngsten Italien-Krise gingen diese wenig regulierten Kapitalsammelstellen auch in italienischen Bankaktien „short“ (spekulierten auf sinkende Kurse). Denn diese dürften bei einem Schuldenschnitt Italiens erhebliche Verluste erleiden. So hat zum Beispiel die Unicredit-Aktie innerhalb von zwei Wochen fast 25 Prozent an Wert verloren. Um dieser Strategie vorzubeugen, hat die italienische Aufsichtsbehörde Consob in den vergangenen Tagen allerdings Regeln erlassen, die den Leerverkauf von italienischen Aktien und Staatsanleihen erschweren sollen.


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  • Die Spielchen und Machenschaften dieser Finanzjongleure sprich Hedge Fonds als "Weisheit der Märkte" zu bezeichnen macht mich fassungslos. Gerade diese Akteure beuten Firmen aus, manipulieren die Märkte und stürzen ganze Volkswirtschaften in den Abgrund. Was wollen die mit den ganzen Milliarden, die sie doch nicht brauchen, weil sie eh genug haben. Wann wird dieses ehrlosen Gesellen endlich der Garaus gemacht?

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