Europäische Aktienfonds
Fidelity-Fonds setzt auf Medien- und Pharmatitel

Wenn Politiker ein neues Amt antreten, bekommen sie eine Schonfrist von 100 Tagen. Bei Fondsmanagern, die einen prominenten Vorgänger ersetzen müssen, reicht dieser Zeitraum unter Umständen nicht aus.

HAMBURG. Im Falle des Aktienfonds Fidelity European Aggressive sind Natalia Siklic sogar 200 Tage zu wenig. „Für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh“, antwortet die Analystin von Morning-star Deutschland auf die Frage, ob der in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Aktienfonds durch den Wechsel von David Baverez zu Sanjeev Shah an Qualität verloren hat. Der Fidelity European Aggressive zählt mit einem Volumen von knapp 3,1 Mrd. Euro zu den zehn größten Angeboten seiner Kategorie.

Siklic hält das Attribut „Aggressiv“ im Fondsnamen allerdings längst nicht mehr für so gerechtfertigt wie vor Shahs Übernahme im August vergangenen Jahres. Damals fanden sich in der Regel nur 35 bis maximal 50 Einzelwerte im Fonds, heute sind es knapp 110 Titel. Siklic: „Durch seine Branchenschwerpunkte ist der Anteil britischer Aktien gestiegen, und das Portfolio ist nicht mehr so stark auf Wachstumsunternehmen ausgerichtet.“ Unverändert geblieben ist dagegen der Fokus auf die Einzeltitelauswahl. „Dieser Prozess macht 80 Prozent der im Vergleich zum Index höheren Performance aus, die Länder- und Branchengewichtung nur 20 Prozent“, sagt Shah. Günstig bewertete Unternehmen findet er derzeit vor allem im Medien- und im Pharma-Sektor. Firmen wie Reed Elsevier oder Glaxo Smithkline böten „Wachstum zu einem sehr vernünftigen Preis“. Darüber hinaus sieht Shah auch bei Ölaktien wie Total noch gute Chancen, während er den Anteil von Banken und anderen Finanzdienstleistern in den vergangenen Monaten leicht reduziert hat.

Die Finanzbranche hält Andrew Arbuthnott, Manager des Pioneer-Fonds Top European Players, dagegen nach wie vor für attraktiv: „Institute wie BNP Paribas, Societé Générale oder Royal Bank of Scotland verfügen über ein ähnlich hohes Gewinnwachstum wie der Rest des europäischen Marktes, werden aber angesichts der Furcht vor weiter steigenden Zinsen mit einem Abschlag gehandelt.“ Umgekehrt hält Arbuthnott außer Roche und Astra Zeneca keine Pharma-Aktie in seinem nur 35 Titel umfassenden Portfolio.

„Der Pioneer Top European Players gehört weiter zu den konzentriertesten Fonds seiner Kategorie“, analysiert Morningstar-Expertin Siklic. Arbuthnott habe jedoch in der Vergangenheit bewiesen, dass er die Kunst des Auswählens beherrsche. Deshalb sei sein Fonds für langfristig orientierte Investoren ein „solides Basisinvestment“, meint Siklic. Der Fidelity-Fonds sei eher als Beimischung zu empfehlen.

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