Europäische Aktienfonds
Manager suchen nach unterbewerteten Titeln

Nach dem fulminanten Anstieg der Aktienkurse in den vergangenen Monaten kommt es nun auf Titel an, die Nachholpotenzial besitzen. Mit diesem Fokus durchforsten Manager europäischer Aktienfonds ihren jeweiligen Markt. Denn in den vergangenen zwölf Monaten gehörte zur Spitzengruppe, wer trotz dramatischer Kursbewegungen zielgerichtet investiert hat.
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FRANKFURT. "Jetzt kommt die Zeit der Qualitätstitel", sagt die bekannte Fondsmanagerin Sonja Schemmann, die sich bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS als Expertin für dividendenstarke Aktien einen Namen gemacht hat und nun bei der britischen Fondsgesellschaft Schroders Geld verwaltet. Bislang hätten vor allem Unternehmen mit schwächerer Bonität zugelegt, weil die Wirtschaft mit Liquidität und Subventionen gestützt worden sei. Zum Beispiel ist der Kurs von Infineon in diesem Jahr um mehr als 400 Prozent gestiegen.

Wenn im kommenden Jahr Subventionen auslaufen, dürften solide, bislang nicht beachtete Titel aufholen, sagt Schemmann. Dazu zählt sie Werte aus den Sparten Pharma, Gesundheit, Konsum, Versicherungen sowie aus dem Ölsektor. Aktien wie Sanofi-Aventis, Nestlé oder Total haben ihrer Ansicht nach extremen Nachholbedarf. Außerdem zahlten diese Firmen attraktive Dividenden, sagt sie. Bei BP erhält ein Anleger beispielsweise eine Dividendenrendite von sechs Prozent.

In den vergangenen Monaten haben sich denn auch Manager von Fonds solcher sogenannter Value- oder Substanzwerte nach vorn geschoben, beobachtet Christopher Wolter, Analyst beim Fondshaus Feri Euro Rating. Zwei der Manager von Top-Fonds der vergangenen zwölf Monate sind ausgesprochene Stockpicker. Sie suchen in erster Linie nach unterbewerteten Aktien.

Der Fonds der niederländischen ING, der Invest Europe Opportunities, hat seinen Wert in den vergangenen zwölf Monaten um gut die Hälfte gesteigert und damit die Konkurrenz abgehängt. Fondsmanager Hans van de Weg setzt aktuell - wie auch Schemmann - besonders auf nicht konjunkturabhängige Aktien aus den Sektoren Konsum, Versicherungen und Gesundheit.

Auch der britische Vermögensverwalter Jo Hambro, dessen European Select Value Fund seit Herbst 2008 gut 38 Prozent zugelegt hat, favorisiert Substanzwerte. Fondsmanager Robrecht Wouters bleibt relativ "defensiv aufgestellt" und blickt abwartend auf den weiteren Verlauf der Erholung der Realwirtschaft. Seine Favoriten sind relativ konjunkturunabhängige Firmen aus den Sektoren Konsum und Technologie. Beide Fondsmanager haben bereits über einen längeren Zeitraum bewiesen, dass sie in unterschiedlichen Börsenphasen gute Ergebnisse erzielen.

DWS-Fondsmanager Raik Hoffmann fokussiert sich mit seinem Fonds Europa Innovation auf Firmen, die intensiv in der Forschung tätig sind. Über die vergangenen zwölf Monate gehört Hoffmann mit einem Wertzuwachs von knapp 48 Prozent zur Spitzengruppe. Hoffmann setzt stark auf Pharma- und Technologieunternehmen. Wegen eines deutlichen Minus von 58 Prozent im Jahr 2008 schneidet der Fonds über drei Jahre aber leicht unterdurchschnittlich ab.

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