Europavertrieb von Fonds
Luxemburg schlägt Frankfurt

In Zukunft werden deutsche Fondsgesellschaften ihre Produkte vorzugsweise in Luxemburg auflegen und erst anschließend in Deutschland und anderen europäischen Ländern vertreiben. Der Grund: Die nationalen Fondsmärkte Europas sind auf dem Weg zum Binnenmarkt.

FRANKFURT. Luxemburg kann aufgrund der aktuellen Entwicklung seine Standortvorteile immer besser ausspielen – zu Lasten Deutschlands. Gerhard Koch, Leiter Produktvertrieb bei der DWS, formuliert vorsichtig: „Wenn das Thema Europavertrieb breitere Kreise zieht, wird Luxemburg an Bedeutung gewinnen.“

Vor einem Jahr klopfte sich die heimische Fondslobby auf die Schultern. Sie glaubte gegenüber dem Konkurrenten Luxemburg als Fondsauflagestandort aufzuholen. Davon kann keine Rede mehr sein. Im bisherigen Jahresverlauf bis Ende Oktober zählt der Fondsverband nur 162 in Deutschland aufgelegte Produkte, während die Zahl der in Luxemburg von deutschen Investmentgesellschaften lancierten Fonds auf 238 sprang.

Ausländische Anbieter ohne Vertriebsnetzwerk in Europa nutzen regelmäßig Luxemburg als zentrale Drehscheibe für den pan-europäischen Absatz. Die Argumente sind liberale Anlageregeln, schnelle Fonds-Genehmigungen in Verbindung mit vereinfachter anschließender Registrierung in anderen EU-Ländern.

Wenn diese Entwicklung andauert, könnte Deutschland Probleme bekommen. Das hätte Konsequenzen, weil sich viele hoch spezialisierte Fonds-Dienstleister an den Auflagestandorten konzentrieren: Fondsbuchhalter, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Depotbanken. Es geht daher um Know How und anspruchsvolle Arbeitsplätze. „In Luxemburg zahlen einige Gesellschaften derzeit Prämien für neue Mitarbeiter, so eng ist der Personalmarkt geworden“, sagt ein Insider.

Und natürlich stärkt der Dienstleistervorsprung den Standort zusätzlich in einer Zeit, in der komplexere Anlagestrategien mit Derivaten rasant an Popularität gewinnen. „Der Infrastrukturvorteil ist wichtig; wir haben in der letzten Zeit fast alles in Luxemburg lanciert“, sagt Markus Miederhoff, Leiter Recht und Compliance bei Allianz Global Investors Europa. Ähnlich bewertet Andreas Steck, auf Investmentrecht spezialisierter Anwalt bei der Kanzlei Linklaters, die Entwicklung: „Wer Garantiefonds, andere strukturierte Fonds oder komplexere Produkte auflegen will, der wird das über seine Luxemburger Dependance machen.“

Auf dem Weg zum Fonds-Binnenmarkt könnte Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS zum Trendsetter avancieren. Die DWS arbeitet an der vielleicht offensivsten Europastrategie unter den heimischen Konkurrenten. Ihre Auflagepolitik ist eindeutig. „Von 73 neuen Fonds im Jahresverlauf haben wir 66 in Luxemburg aufgelegt“, sagt Koch. Nur sieben kamen aus Deutschland. Hierzulande aufgelegte Fonds könne man nicht in verschiedenen Gebühren-Anteilsklassen lancieren und dann europaweit vertreiben. Außerdem fielen nach der zentralen Auflage in Luxemburg nicht nur die nationalen Registrierungen, sondern auch die nationalen Fondsprospekt-Gestaltungen leichter.

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