Expansion im Ausland
Fonds bekämpfen Absatzschwäche

Die deutschen Fondsanbieter haben den Abzug des Anlegerkapitals im Oktober eindämmen können, beurteilen die Lage aber weiter skeptisch. „Wir haben eine Branchenkrise beim Aktienfondsabsatz“, sagte DWS-Europa-Chef Stephan Kunze am Mittwoch. Daher setzen die Anbieter auf eine Expansion ins Ausland oder neue Altersvorsorgeprodukte, um die Investoren wieder anzulocken.

FRANKFURT. Laut Investmentverband BVI zogen Anleger im August und September über zehn Mrd. Euro aus den auf Privatanleger zielenden Publikumsfonds ab. Die Gesellschaften sind allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Laut BVI gehören unter den großen Anbietern Allianz Global Investors und Pioneer zu den stärksten Verlierern.

Inzwischen hat sich die allgemeine Lage etwas aufgehellt. So verbuchte die DWS laut Deutschland-Chef Klaus Kaldemorgen allein seit Oktober über eine Mrd. Euro an Zuflüssen in Aktienfonds. Allerdings schränkt er ein: „Wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession rutscht, ist das noch nicht in den Aktienkursen enthalten.“

Auch andere große Fondshäuser berichten für Oktober über Zuflüsse. „Eine steigende Nachfrage nach Aktienprodukten zeichnet sich bereits in den aktuellen Absätzen ab“, sagte ein Sprecher des Allianz-Fondshauses. Das „Bewusstsein für die Anlage in Aktien wieder stärken“ will Sebastian Klein, Chef der Commerzbank-Tochter Cominvest, die nach schwachem Jahresanfang bis Ende Oktober 2007 bereits wieder rund drei Mrd. Euro eingesammelt hat. Entgegen dem Branchentrend zogen DWS und ebenfalls die Cominvest Neugelder auch bei Aktienfonds an.

Die DWS akquirierte im bisherigen Jahresverlauf insgesamt 14,5 Mrd. Euro an Publikumsfondsgeld – mehr als doppelt so viel wie vom BVI ausgewiesen. Die Differenz ist vor allem dem Absatz auf den Auslandsmärkten zuzuschreiben. „Viele Konkurrenten gehen nicht so konsequent den Weg der Internationalisierung“, sagte Kunze.

Ein Schwerpunkt für das kommende Jahr sei die Forcierung der Globalisierung, die Stärkung des Vertriebes in Europa und Asien. Das ist für Kunze schon wegen der konkurrierenden Sparkassenfonds nötig: „Die Deka hat in Deutschland einen starken Vertriebskanal, wir müssen in Europa wachsen.“

Ein zweiter strategischer Schwerpunkt für den DWS-Mann ist der Ausbau der Produktpalette sowohl mit neuen Fonds als auch von Angeboten mit anderen Rechtsmänteln wie Zertifikaten oder Versicherungen. So wie die DWS unter Kunzes Führung vor einiger Zeit als erstes Fondshaus Zertifikate aufgelegt hat, will sie jetzt ein weiteres Geschäftsfeld erschließen: „Wir bringen im Januar den ersten geschlossenen Fonds, einen für Waldbesitz.“

Als drittes Strategiethema und Wachstumstreiber für das kommende Jahr sieht die DWS die Altersvorsorge. Bis Ende 2007 will Kunze 300 000 Riester-Verträge abgeschlossen haben. Davon sollen zwei Drittel den Angeboten mit den Versicherungspartnern zuzuschreiben sein, das andere Drittel dem hauseigenen Fonds.

Die großen Wettbewerber wollen das Thema ebenfalls stärker besetzen. Allianz setzt beispielsweise auch auf Lebenszyklusfonds mit sinkender Aktienquote im Zeitablauf und will das langfristige Aktienfondssparen stärker ins Bewusstsein rücken. Cominvest-Chef Klein hofft dank der Abgeltungsteuer auf eine Renaissance der langfristigen Anlage. Auch mit Blick auf die private Altersvorsorge müsse man den Kunden Lösungen anbieten. Dazu gehörten neben Dachfonds Lebenszyklusprodukte, die in Vorbereitung seien.

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