Experten erwarten rechtliche Erleichterungen
Hedge-Fonds kommen langsam in Fahrt

Viele Produkte sind in Deutschland in der Pipeline. Doch die Anleger müssen sich an Hedgefonds erst noch gewöhnen.

FRANKFURT/M. Immer mehr Hedge-Fonds werden in Deutschland angeboten. Nach zögernd anlaufendem Geschäft mit den neuen Produkten kommt jetzt etwas mehr Tempo auf. Bisher gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zwar nur für fünf Produkte grünes Licht, doch rund ein Dutzend sind in der Pipeline.

Für den langsamen Start machen Fachleute mindestens drei Faktoren verantwortlich. Die Anleger müssen sich an die neuen, die gesamte Risikospannbreite von spekulativen bis sehr konservativen Investmentansätzen abdeckenden Produkte erst gewöhnen. Außerdem wurde der Zeitaufwand zwischen dem zu Jahresbeginn verabschiedeten Investmentmodernisierungsgesetzes, das Hedge-Fonds zulässt, und seiner Umsetzung anfangs unterschätzt. Darüber hinaus hemmen noch offene Fragen, insbesondere bei der steuerlichen Behandlung der Fondserträge, sowie Schwierigkeiten beim Risikomanagement und Abwicklungsprobleme die Fondsauflagen.

Fachleute rechnen allerdings mit einer Lösung der noch bestehenden Probleme. „Das Gesetz wird an den kritischen Punkten sicher repariert, der politische Wille ist da“, demonstriert beispielsweise Sven Zeller, Partner bei der Anwaltskanzlei Clifford Chance, seine Zuversicht. So werden auch optimistische Prognosen verständlich. Die Beratungsgesellschaft Mercer Oliver Wyman billigt der deutschen Hedge-Fonds- Branche auf Sicht von fünf Jahren ein Volumen von 85 Mrd. Euro zu. Schon auf kürzere Frist rechnet Ralf Lochmüller, Partner der unabhängigen Asset-Management-Firma Lupus Alpha, mit einem Vermögen von deutlich über 100 Mrd. Euro.

Bisher genehmigte die BaFin je einen Dach-Hedge-Fonds von der DWS und von Pioneer Investments sowie einen Einzel-Hedge-Fonds („Single“) von Lupus Alpha. Sie gab außerdem grünes Licht für zwei Dach-Hedge-Fonds der Luxemburger Union-Investment-Tochter Unico.

Mindestens ein Dutzend Produkte werden laut Handelsblatt-Anfrage allein bei den bisher aktiven Häusern für die Vermarktung in Deutschland vorbereitet. DWS, Deka, Lupus Alpha, Union Investment, DIT sowie Warburg Invest warten auf Zulassungen von im Ausland aufgelegten Fonds durch die Aufsicht bzw. planen Produktauflagen nach deutschem Recht. Bei der Aufsicht liegen derzeit sechs Anträge von Investmentgesellschaften zur Vertriebserlaubnis von Hedge-Fonds sowie je zwei Anträge zur Zulassung von Dach- und Single-Hedge-Fonds vor.

Jenseits der offenen rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Fragen für die deutsche Hedge-Fonds-Branche liefern der konzerninterne Wettbewerb der Produktgruppen und die Standortkonkurrenz Gesprächsstoff. Auf der Produktseite ist insbesondere die Deutsche Bank aktiv, die Hedge-Fonds-Ansätze sowohl über eigene Fonds in Luxemburg als auch schon seit längerem über Zertifikate anbietet. Außerdem offeriert die Tochter DWS eigene Fonds. DWS-Chef Axel Benkner will allein mit ihnen 1 Mrd. Euro innerhalb eines Jahres einsammeln.

Vertreter der Bank und der DWS sehen in dieser Dreifach-Strategie keinen Widerspruch und keine Kannibalisierungsgefahren. Zertifikate können von Banken sehr schnell emittiert werden. Sie gelten außerdem als Wertpapiere und werden nur in einer Bank verkauft. Deshalb sagt der zuständige Deutsche-Bank-Mann Stefan Armbruster: „Will man viele Vertriebswege bedienen, braucht man sowohl Zertifikate als auch Fonds.“ Darüber hinaus „bietet die Deutsche Bank Indexprodukte an, während unser Fonds aktiv gemanagt wird“, ergänzt ein DWS-Sprecher. Auch die Dekabank, der Allianz-Konzern und Pioneer verfolgen eine Doppelstrategie mit Fonds und Zertifikaten.

Bei der Standortfrage führte bisher Luxemburg, auch wenn die dort aufgelegten Produkte hier nicht aktiv beworben werden durften. Im Zuge des neuen Gesetzes können in Luxemburg oder Irland zugelassene Fonds jetzt nicht nur hier zu Lande vertrieben werden – nach einer Wartefrist. Immer mehr Anbieter denken außerdem über die Auflage von Produkten deutschen Rechts nach.

Die Deka erwartet die deutsche Zulassung ihres irischen Fonds zur Jahresmitte, will aber neben zwei weiteren dort geplanten Produkten auch einen deutschen Dach- Hedge-Fonds auflegen. Ganz ähnlich will der zur Allianz-Gruppe gehörende Dit jetzt die Genehmigungsanträge für seine beiden Luxemburger Fonds bei der BaFin einreichen. Außerdem plant der Dit für das zweite Halbjahr einen Single- Hedge-Fonds nach hiesigem Recht.

Darüber hinaus kündigte Warburg Invest mit der schweizerischen Banque Syz als Anlagemanager sein Engagement an. Ein Produkt für Privatanleger soll in Deutschland kommen. „Beim Angebot für Institutionelle ist die Standortfrage, ob Deutschland oder Luxemburg, noch unentschieden“, sagt Warburg-Geschäftsführer Eckhard Cornehl.

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