Experten erwarten Rückgänge
Finanzkrise dämpft Absatz von Geldmarktfonds

Kaum ein Bereich, der nicht von der aktuellen Finanzkrise beeinflusst wird: Auch der Geldmarktfondsabsatz auf dem europäischen Kontinent leidet unter den Auswirkungen. Auch wenn es noch keine genauen Daten gibt – eine Fortsetzung der im Juli erreichten Rekordzahlen scheint ausgeschlossen.

FRANKFURT. Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten durch die Krise am US-Hypothekenmarkt dürften den Geldmarktfondsabsatz in Europa leicht dämpfen. Für den Monat August, in dem die Krise eskalierte und einige, auf forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) spezialisierte Fonds zur Schließung zwang, liegen zwar noch keine Absatzdaten vor. „Aber ich erwarte etwas geringere Zuflüsse als im Rekordmonat Juli“, sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin des Datenanbieters Feri Lipper. Die jetzt veröffentlichten Juli-Absatzzahlen von 33,8 Mrd. Euro sind die höchsten seit Beginn der Datenerfassung Anfang 2002.

Nachfragen bei Anbietern stützen die Einschätzung von Mackay. Sven Lorenz vom europaweit größten Geldmarktfondshaus JPMorgan Asset Management spricht zwar von „ungebrochenen Zuflüssen für Geldmarktfonds mit bestem Rating“. Der zweitgrößte europäische Anbieter Goldman Sachs Asset Management musste laut Sven Lübcke jedoch Abflüsse hinnehmen. Auch bei der DWS, einer weiteren wichtigen Adresse, ist von einem Negativsaldo die Rede. Der große ABS-Fonds der DWS hält seit Mitte August – nach vorherigen starken Mittelabzügen – das Vermögen stabil. Lorenz erwartet branchenweit für das vergleichsweise kleine Segment der ABS-Produkte im August Abflüsse.

Für Experten hängt der Augustabsatz entscheidend von ab, inwieweit die Turbulenzen an den Finanzmärkten auf die klassischen Geldmarktfonds ohne ABS-Positionen durchschlagen. In der Branche ist von „Ansteckungsgefahr“ ist die Rede. „Es ist durchaus möglich, dass Anleger das so wahrnehmen“, begründet Mackay ihre Erwartung.

Laut Experten dürften längerfristig allerdings die schon seit einiger Zeit spürbaren Trends den Absatz von Geldmarktfonds weiter stimulieren. So sagt Lloyd Reynolds, der für Goldman Sachs Asset Management die Geschäftsentwicklung in Europa leitet: „Vor allem die Unternehmen setzen Fonds mit bestem AAA-Rating immer häufiger zur Liquiditätssteuerung ein.“ Diesen Trend beobachtet er bereits seit zwei bis drei Jahren, „und wir erwarten eine Fortsetzung“.

Fachleute machen als treibende langfristige Kräfte Änderungen der rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben aus. Unter den neuen Eigenkapitalanforderungen an Banken (Basel II) beispielsweise werden Geldmarktfonds als Anlageform aufgewertet. Die anstehende EU-Finanzmarktrichtlinie (Mifid) begünstigt die Produkte ebenfalls. Auch auf dem wichtigen Markt Großbritannien erweitert die lokale Finanzaufsicht die Einsatzmöglichkeiten von Geldmarktfonds für Banken.

Laut Mackay profitieren insbesondere international operierende Anlagehäuser. So ist es für sie wenig überraschend, dass in der europäischen Juli-Absatzhistliste für Investmentfonds globale Häuser dominieren, stark getrieben von ihren Geldmarktprodukten. Goldman Sachs führt die Liste mit 5,3 Mrd an Euro (siehe „Top Five der Gesellschaften“). Davon entfallen laut Reynolds zwei Drittel auf Geldmarktfonds.

Der Gesamtabsatz aller Investmentfonds erreichte im Juli 39,9 Mrd. Euro, so dass das Geschäft praktisch ausschließlich von der Geldmarktseite getragen wurde. Aktien- und Mischportfolios kamen auf überschaubare einstellige Milliardenzuwächse.

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