Experten-Interview
„Zweifel am Markt für aktive ETFs“

Im Doppelinterview äußern sich Peter Flöck, Leiter Portfoliomanagement bei Universal Investment und Bruno Schmidt-Voss, Deputy Head of Institutional Business Germany bei Invesco, zu den Themen aktiv gemanagte ETFs und passive Spezialfonds.

In den USA gibt es bereits einige wenige aktiv gemanagte ETFs. Wie lange dauert es, bis wir solche Fonds auch in Europa bekommen?

Bruno Schmidt-Voss: Eine zeitliche Prognose ist schwierig, aber es gibt eine Reihe Trends, die über kurz oder lang auch aktiv gemanagte ETFs bei institutionellen Investoren in Europa etablieren sollten. Auf Anlegerseite regt sich hier schon länger der Wunsch nach neuen Produkten, die über die passive Index-Replikation hinausgehen.

Peter Flöck: Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass es für aktive ETFs einen wirklichen Markt in Europa gibt. Wer soll denn diese Produkte kaufen? Klassische ETFs und passive Spezialfonds bieten für passive Investoren einfache und transparente Investitionsvehikel, die sie bei Bedarf mit aktiv gemanagten Fonds ergänzen können. Dazwischen bleibt nicht viel Platz für neue Produkte.

Wo wäre denn der größte Unterschied eines herkömmlichen Publikumsfonds zu einem aktiv gemanagten ETF?

Flöck: Entscheidend ist die Transparenz. Es gibt heute schon ein Börsensegment für Publikumsfonds. Dort sind die Abstände zwischen Geld- und Briefkurs meist deutlich höher als bei ETFs, was daran liegt, dass die Händler die Zusammensetzung der Publikumsfonds nicht genau kennen. Die Geld-Briefspannen bei aktiven ETFs werden aus diesem Grund ebenfalls deutlich höher liegen als bei passiven ETFs. Damit der Börsenhandel mit aktiven ETFs wirklich funktioniert, müsste der Emittent mehrere Market Maker beauftragen, denen er ständig das Portfolio mitteilt; dies ist unwahrscheinlich.

Schmidt-Voss: Ein aktiver ETF sollte nicht einfach die Strategie eines Publikumsfonds kopieren, sondern die ETF-spezifischen Vorteile bewusst erhalten. Dazu gehört neben einer einfacheren Handelbarkeit an der Börse vor allem der Kostenvorteil. Wenn die Emittenten das wollen, kann auch ein aktiv gemanagter ETF deutlich weniger Verwaltungsgebühren kosten als ein Publikumsfonds. Außerdem sollte das Portfolio bewusst nicht zu häufig umgebaut werden, denn das würde die Handelskosten des Fonds erhöhen.

Wie groß schätzen Sie das Risiko für die Emittenten ein, wenn sie ein aktives Portfolio täglich bekannt geben?

Schmidt-Voss: Mit einem aktiv gemanagten Fonds kaufen Anleger ein Vehikel für die Zukunft, nicht für den Status quo. Wenn jemand zum Beispiel den Aktienkorb eines ETF einfach nachkauft, nimmt er an Veränderungen im Portfolio nicht teil. Dabei ist genau das die explizite Strategie eines aktiv gemanagten ETFs. Der Fondsmanager könnte theoretisch alle 24 Stunden sein Portfolio anpassen- unwahrscheinlich, dass viele Anleger bei dieser Schlagzahl folgen wollen.

Flöck: Institutionelle Investoren mit genügend Kapital könnten durchaus versuchen, die Strategie zu kopieren. Im schlimmsten Fall würden sie darüber hinaus sogar versuchen, anhand der Portfolio-Änderungen die Strategie im Voraus zu kopieren oder sich genau entgegengesetzt zu positionieren und "front running" zu betreiben. Besonders in weniger liquiden Märkten könnten sie so den ETFs die Preise kaputt machen.

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