Experten rechnen mit rückläufigen Renditen im Markt für Beteiligungskapital
Finanzinvestoren gehen mageren Zeiten entgegen

Die weltweit operierenden Beteiligungsfonds müssen sich in den kommenden Jahren auf niedrigere Gewinne einstellen. Nach den Ausnahmejahren 2004 und 2005 mit Renditen um die 20 Prozent sei mit einem Rückgang in den knapp zweistelligen Bereich zu rechnen, sagt Bernd Kreuter, Analyst für alternative Anlageklassen bei Feri Trust in Bad Homburg. Kreuter begründet seine Prognose mit den extrem günstigen Kreditkonditionen, zu denen die Beteiligungsmanager momentan ihre Transaktionen finanzieren können.

HB FRANKFURT/M. Die Zeit des billigen Geldes werde nicht ewig anhalten, bei einer Verteuerung an den Kreditmärkten seien Einbußen zu erwarten. Feri verteilt Noten für die Finanzinvestoren und beobachtet etwa 1 800 von geschätzt rund 5 000 Private-Equity-Fonds.

Private Equity ist der Sammelbegriff für außerbörsliches Eigenkapital. Es wird von institutionellen Anlegern wie etwa Pensionskassen bereitgestellt und von den Finanzinvestoren für den Kauf von in der Regel unterbewerteten Unternehmen eingesetzt. Im Durchschnitt wird der Kaufpreis zu 70 Prozent über Kredite und Anleihen finanziert. Die Firmen werden dann nach einer mehrjährigen Umbauphase zu einem höheren Preis weiterverkauft oder an die Börse gebracht.

Nach einer Analyse der schweizerischen SCM Strategic Capital Management erzielte Private Equity in den USA in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von gut 16 Prozent, in Europa waren es knapp 15 Prozent. SCM-Chef Stefan Hepp wehrt sich gegen die oft gehörte Behauptung, mit Private Equity seien generell Traumrenditen zwischen 20 und 30 Prozent zu erzielen. „Eine Rendite-Automatik von 25 Prozent gibt es nicht“, betont er. Allenfalls die wenigen Spitzenfonds könnten solche Ergebnisse aufweisen. Für die Investoren sei nur die Frage entscheidend, ob sie mit Private Equity gegenüber Anlagen an den Aktien- und Rentenmärkten besser abschnitten. Dies sei in den vergangenen Jahren mit einem Renditeplus zwischen fünf und sieben Prozentpunkten gegenüber den Aktienindizes MSCI Europe und S&P 500 der Fall gewesen. Maximilian Brönner, Private-Equity-Experte bei der schweizerischen LGT Capital Partners, geht davon aus, dass sich bei den Beteiligungsfonds die Spreu vom Weizen trennen wird. Nicht mehr die Finanzierungskünstler seien gefragt, sondern Finanzinvestoren, die das Tagesgeschäft der übernommenen Unternehmen verstünden. Auch er sieht leicht abnehmende Renditen voraus.

Finanzinvestoren spielen nach wie vor eine bedeutende Rolle im Übernahmemarkt, obwohl industrielle Käufer zuletzt wieder verstärkt auftraten. Erst gestern kaufte BC Partners das britische Freizeitunternehmen Fitness First für 1,2 Mrd. Euro. Zu den Megadeals in jüngster Zeit zählten auch die Übernahme des Autovermieters Hertz für 15 Mrd. Dollar und der Kauf der Eon-Wohnungstochter Viterra für sieben Mrd. Euro durch Finanzinvestoren.

Dass man mit Beteiligungskapital auch schief liegen kann, zeigt das Spezialsegment Venture Capital, das Investitionen in Gründer und Technologiefirmen umfasst. Laut SCM lag die Rendite in Europa in den vergangenen zehn Jahren bei mageren 5,9 Prozent, in den USA dagegen bei 21,6 Prozent. Laut Hepp war die Korrektur nach der Internetblase in den USA „hart und brutal“, der Markt habe die Bereinigung nach den Übertreibungen schnell hinter sich gebracht. Dagegen habe man in Europa die Abschreibungen viel zögerlicher vorgenommen. Aus diesem Mentalitätsunterschied erkläre sich auch, warum das Vertrauen der amerikanischen Investoren in echtes Risikokapital ungebremst sei. 2004 seien 45 Prozent aller Investitionen in den Venture-Bereich geflossen, in Europa dagegen nur neun Prozent.

Auch das Börsenklima ist in den USA besser. 2004 kamen dort 67 mit Risikokapital aufgepäppelte Unternehmen an die Börse, in Europa waren es dagegen nur 34 Firmen.

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