Experten sagen Assetklasse starkes Wachstum voraus: Hedge-Fonds profitieren von Markttrends

Experten sagen Assetklasse starkes Wachstum voraus
Hedge-Fonds profitieren von Markttrends

Der deutsche Hedge-Fonds-Markt steckt im internationalen Vergleich noch in den Kinderschuhen. Doch das könnte sich jetzt ändern. Institutionelle Anleger sind auf der Suche nach Alternativen für bisherige Investments.

HB DÜSSELDORF. Nach einer Studie von Van Hedge Fund Advisors International betrug das Mitte 2004 weltweit verwaltete Hedge-Fonds-Volumen mehr als 700 Mrd. Euro. Hier zu Lande waren es gerade einmal 10 Mrd. Euro, schätzt der Bundesverband Alternative Investments. Dies entspricht weniger als 1,5 Prozent Anteil am Weltmarkt. Dass der Marktumfang noch so überschaubar ist, hängt zum einen sicher mit seinem geringen Alter zusammen: Erst vor einem Jahr traten die aufsichts- und investmentrechtlichen Neuerungen in Kraft, die die Voraussetzungen für die unterschiedlichen Anlegerzielgruppen geschaffen haben, um künftig in Hedge-Fonds investieren zu können. Die bis dahin fehlende Rechtsgrundlage und die damit verbundenen steuerlichen Hindernisse waren eine ganz wesentliche Ursache für die Zurückhaltung der Investoren bei Hedge-Fonds-Produkten.

Zum anderen verändert sich aber auch die Grundhaltung der Anleger gegenüber den Kapitalmärkten tief greifend: Waren die 80er- und 90er Jahre von stabilen Märkten mit sehr guter Performance geprägt, sahen sich die Anleger insbesondere in den Jahren 2000 bis Anfang 2003 mit extremen Marktkorrekturen und massiven Verlusten an den Börsen konfrontiert. Die vergangenen beiden Jahre sind durch schwierige und trendlose Märkte mit niedriger Volatilität und historisch tiefen Bondrenditen gekennzeichnet.

Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf die Entscheidungen deutscher Kapitalanleger und damit auch auf das Asset Management. Die Risikosteuerung erlangte bei Anlageentscheidungen eine größere Bedeutung als reine Performance-Argumente. Die Konsequenz: Traditionelle Fondsstrategien (so genannte long-only-Strategien) verlieren an Bedeutung. Dies wird sich noch verstärken, wenn die Renditen traditioneller Anlageformen weiter gering ausfallen. Für den Investor wird neben dem aktiven Management der Assetklassen mit Fokussierung auf Risikomanagement auch eine höhere Gewichtung von Hedge-Fonds immer wichtiger.

Ersatz für Rentenpapiere gesucht

Institutionelle deutsche Anleger sind derzeit zu über 80 Prozent in Rentenanlagen und zu 10 Prozent in Aktien investiert, ergab eine Untersuchung von Feri. Basierend auf dem aktuellen Renditeniveau verschiebt sich diese Vermögensverteilung zu Gunsten einer steigenden Nachfrage nach Rentenersatzprodukten. Von diesen erwartet der Investor unter dem Aspekt der Portfolio-Optimierung zwar eine bondähnliche Rendite und Volatilität, aber gleichzeitig eine niedrigere beziehungsweise negative Korrelation zu Bondanlagen. Gerade unter diesem Aspekt eignen sich Hedge-Fonds-Anlagen - Einzelfonds und Dachfonds-Konzepte gleichermaßen - zur Beimischung im Portfolio.

Diese sich ändernden Rahmenbedingungen führen nach Einschätzung von Julius Bär in den kommenden Jahren zu einem kräftigen Anstieg der Hedge-Fonds-Nachfrage in Deutschland. Das Volumen und die Geschwindigkeit dieses Wachstums hängt von mehreren Faktoren ab - im Wesentlichen von den Erfolgen der jetzt schon in Deutschland zugelassenen Produkte sowie vom allgemeinen Kapitalmarktumfeld. Aber auch die Entwicklung internationaler Hedge-Fonds, sowohl absolut als auch im direkten Vergleich mit traditionellen Anlagen, beeinflusst den dauerhaften Erfolg.

Es mehren sich die Anzeichen, dass sich das Marktumfeld für Hedge-Fonds in 2005 vom vergangenen Jahr unterscheidet. So zeichnen sich die zum Ausnutzen von Markt-Unzulänglichkeiten notwendigen Trends wieder ab; die Volatilität in den Märkten ist teilweise bereits zurückgekehrt. Die Bedeutung von Hedge-Fonds wird weltweit zunehmen und in der Asset Allocation von institutionellen sowie Privatinvestoren eine größere Rolle spielen. Das setzt voraus, dass potenzielle Kunden eine offene, transparente und kompetente Beratung erhalten. Entscheidend für den Erfolg des deutschen Hedge-Fonds-Marktes dürfte jedoch sein, ob die in Aussicht gestellten Renditen dauerhaft, auch über unterschiedliche und stark schwankende Marktzyklen hinweg, erzielt werden können.

Alexander Gerstadt ist Mitglied des Vorstands der Bank Julius Bär (Deutschland) AG; Rainer Lang ist Head Alternative Sales Europe, Bank Julius Bär & Co. AG.

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