Expertenkommission
Ethik-Verstöße bei weltgrößtem Staatsfonds

Eine von Norwegens Regierung eingesetzte Kommission wirft dem landeseigenen Ölfonds unethische Geschäftspraktiken vor. Der Staatsfonds ist der größte der Welt. Vor allem mit Umweltverschmutzungen gibt es Probleme.
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OsloNorwegens Ölfonds wird von Fachleuten eine unethische Investitionspraxis vorgeworfen. Der größte Staatsfonds der Welt habe keine angemessene Strategie, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen bei Unternehmen zu verhindern, in die er investiere, befand eine von der Regierung in Oslo eingesetzte Expertenkommission am Montag.

Damit erfülle der von den sprudelnden Einahmen aus der staatlichen Öl- und Gaswirtschaft gespeiste Investmentfonds nicht die OECD-Vorgaben. Konkret geht es um ein neues Stahlwerk in Indien, dass der südkoreanische Konzern Posco bauen will. Nicht-Regierungsorganisationen zufolge würden durch die zwölf Milliarden Dollar teure Anlage im Bundesstaat Odisha mehr als 20.000 Menschen vertrieben, darunter auch Eingeborene, die unter besonderem Schutz stünden.

Der Ölfonds wies die Kritik zurück. Er verfolge die Vorwürfe zwar mit Sorge, gehe aber nicht davon aus, dass die Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Investoren anzuwenden seien. Der Fonds ist mit einer Beteiligung von 0,9 Prozent elftgrößter Aktionär von Posco. Das Urteil des unabhängigen Fachleute-Ausschusses hat zwar keine Rechtskraft. Seine Kritik könnte aber das Ansehen des Fonds als Investor mit sozialer Verantwortung beschädigen.

Der Ölfonds ist einer der transparentesten Investmentfonds der Welt und verzichtet aus ethischen Gründen auf Investitionen in Unternehmen, die Geld mit dem Bau von Atomwaffen, mit Tabak und mit Kinderarbeit verdienen. Zuletzt belief sich sein Investitionsvolumen auf 740 Milliarden Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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