Fed-Entscheidung
„Die längste Schwangerschaft der Geschichte"

Für Julian Mayo sind die jahrelangen Spekulationen über eine US-Zinswende vor allem eins: viel Gerede. Seine Investments in Schwellenländer macht er nicht von der Notenbankpolitik abhängig. Welche Märkte ihn überzeugen.

DüsseldorfJulian Mayo managt den mehrfach ausgezeichnete Magna Emerging Markets Dividendenfonds. Im Interview wenige Stunden vor der Entscheidung über die US-Zinsen bleibt er gelassen. Das Gerede um eine mögliche Zinserhöhung vergleicht er mit einer Geburt, die auf sich warten lässt.

Herr Mayo, der Zinsentscheid der US-Notenbank steht unmittelbar bevor. Was erwarten Sie?
Meiner Meinung nach wird es in den nächsten zwölf Monaten nur kleine Anhebungen des US-Zinssatzes geben. Allerdings hat die Diskussion bislang schon Auswirkungen gehabt. Die Emerging Markets-Währungen sind seitdem durchschnittlich um 30 Prozent gefallen. Dass könnte schon der Preis gewesen sein.

Wird eine Zinserhöhung die Emerging Markets belasten?
Das Gerede um eine Zinserhöhung ist für mich die längste Schwangerschaft der Geschichte. Das ganze Gerede kam schon vor zweieinhalb Jahren auf. Passiert ist nichts. Was wäre eine gute Nachricht für die Märkte: Die Zinsen zu erhöhen oder nicht zu erhöhen? Ich weiß es nicht. Ich bin auch kein Experte für den US-Markt, sondern Spezialist für Emerging Markets. Doch egal ob Barack Obama oder Jane Yellen, keiner wird die US-Wirtschaft bremsen.

Insgesamt ein Drittel Ihrer Investitionen sind Finanzwerte. Ist es nicht zu risikoreich, wenn die Zinserhöhung jetzt kommt?
Das Dollar-Risiko in unserem Portfolio ist sehr gering. Wir investieren kaum in Banken, haben mit einem thailändischen Kreditinstitut aber ein Top-Wert in unserem Fonds. Die meisten Finanzwerte, in die wir investieren, sind relativ immun gegen US-Zinserhöhungen.

Das müssen sie erklären…
Es sind zum Beispiel Börsenbetreiber, einer in Russland und einer in Mexiko. Wir glauben, dass die ein gutes Geschäftsmodell haben. Auch in Krisenzeiten werden dort konstante Umsätze erzielt. Der andere Bereich sind Versicherungsunternehmen. Versicherungen in den Schwellenländern sind Wachstumsfirmen. Die Leute verdienen mehr, kaufen sich beispielsweise ein Auto und müssen dies dann versichern. Versicherungen in den Emerging Markets sind komplett anders als in den entwickelten Ländern.

Bevorzugen Sie „Old-Economy“-Aktien?
Ja und nein. Wir sind bei einigen wenigen Titeln aus der New Economy eingestiegen. Aber die „Real Economy“ ist wesentlich attraktiver für uns. Die Unternehmen erwirtschaften einen Cash Flow, während der bei vielen Unternehmen aus der New Economy negativ ist. Wir investieren in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Dennoch haben wir zwei Titel mit einem „New-Economy-Touch“ im Portfolio, einen aus der Halbleiterbranche. Und wir sind noch am Rundfunk- und TV-Anbieter Astro in Malaysia beteiligt, einem Unternehmen ähnlich wie Sky in Großbritannien.

Halten Sie es für gute Idee, jetzt nach den deutlichen Kursverlusten in Emerging Markets zu investieren?
Fakt ist: In den vergangenen vier Jahren haben sich die Kurse der Emerging-Markets-Aktien deutlich schlechter entwickelt als die der Industriestaaten. So hat beispielsweise der US-Auswahlindex S&P-500 seit Juni 2011 um 40 Prozent zugelegt, der MSCI Emerging Markets in diesem Zeitraum hingegen 20 Prozent verloren.

Das ist aber kein Grund für ein Investment…
Man sollte einen anderen Chart hinzunehmen, den der Börsenstimmung der Anleger. Das ist ein Kontraindikator. Die Stimmung ist aktuell auf einem Tiefpunkt angelangt. Und immer dann, wenn die Stimmung im Keller war, sind anschließend die Kurse deutlich gestiegen - wie zum Beispiel 2003 oder Anfang 2009. Bei solch einer schlechten Stimmung haben Anleger mit Aktien aus Schwellenländern in den folgenden zwölf Monaten immer Geld verdient – manchmal 40 Prozent, nach 2009 sogar 80 Prozent. Es ist an der Zeit, mehr Geld in die Emerging Markets zu investieren.

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