Finanzaufseher prüfen Derivate
Gipfeltreffen in New York

Am heutigen Mittwoch treffen sich in New York Vertreter der wichtigsten Finanzaufsichtsbehörden mit den 16 führenden Handelshäusern für Derivate. Die Finanzaufseher nehmen die Derivate gründlich unter die Lupe - mit zwiespältigen Gefühlen.

NEW YORK / LONDON. Einerseits haben die Banken die Mängel und Risiken beim Handel mit den komplexen Wertpapieren deutlich reduziert. Andererseits hat die Schieflage beim Hedge-Fonds Amaranth Rufe nach einer strikteren Regulierung der besonders risikoreichen Finanzprodukte laut werden lassen. Derivate ermöglichen es Banken, Unternehmen und Investoren, finanzielle Risiken gegen eine Gebühr weiterzuverkaufen. Die Papiere werden insbesondere von Hedge-Fonds genutzt.

Der Markt für Derivate ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert und hat ein Volumen von mehr als 270 Billionen Dollar erreicht. Zu den wachstumsstärksten Papieren gehören so genannte Credit Default Swaps (CDS). Sie erlauben es Investoren, sich gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens abzusichern, indem sie das Kreditrisiko gegen eine Gebühr weiterreichen. "Credit Default Swaps sind zum wichtigsten Instrument (für die Risikostreuung) geworden, das ich seit Jahrzehnten gesehen habe", sagt der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan.

Das schnelle Wachstum der Derivate hat jedoch die Infrastruktur der Banken überfordert. Nach Angaben des Branchenverbandes International Securities and Derivaties Association war im vergangenen Jahr ein Fünftel aller Transaktionen mit Kredit-Derivaten fehlerhaft. Der Grund: Viele Geschäfte wurden nicht elektronisch, sondern mit Fax und Notizblock abgewickelt. Greenspan sprach in dem Zusammenhang von "einer Technologie des 19. Jahrhunderts". Das Risiko ist beträchtlich. Im Fall einer Krise könnte die fehlerhafte Buchführung die Finanzwelt ins Chaos stürzen. Für den Großinvestor Warren Buffett sind Derivate auch deshalb "Masssenvernichtungswaffen".

Timothy Geithner, Präsident der Federal Reserve in New York, stellte den großen Handelshäusern der Wall Street vor einem Jahr ein Ultimatum: Entweder ihr bringt eure Handelsbücher in Ordnung oder wir machen das für euch. Die Drohung hat gewirkt. Seitdem haben die Banken die Zahl der noch offenen Handelsgeschäfte um etwa 80 Prozent verringert. Darüber hinaus bemüht sich die Finanzbranche, mit Hilfe elektronischer Handelsplattformen die Fehlerquote zu verringern. Bei dem Treffen soll eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.

Die britische Finanzaufsicht FSA hat die Derivate-Branche bereits vor schärferen Auflagen gewarnt. Dabei geht es Thomas Huertas, verantwortlicher Direktor bei der FSA, auch um Interessenkonflikte und den Umgang mit vertraulichen Informationen in der Branche. Fehlende Transparenz im Derivate-Geschäft erhöhe die Gefahr von Insider-Vergehen, machte Huertas klar.

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