Finanzexperte Bonham Carter: „Ein gewisses Risiko muss man akzeptieren“

Finanzexperte Bonham Carter
„Ein gewisses Risiko muss man akzeptieren“

Beim Radfahren durch die Londoner City ordnet der Vice-Chairman des Fondshauses Jupiter seine Investmentideen. Passive Produkte kommen ihm nicht ins Depot. Vorsichtig ist er jedoch bei der Wahl seines Fahrrads.

FrankfurtWo trifft man einen Londoner Finanzexperten, der zu Gast in Frankfurt ist? In der Börse? In einem schicken Café am Fuße der Bankentürme? Nein, man trifft ihn in einem Fahrradladen. Eine pauschale Empfehlung ist dieser Ort natürlich nicht, doch im Gespräch mit Edward Bonham Carter, dem Vice-Chairman des Fondsanbieters Jupiter Asset Management, soll es nicht nur um Geld und Anlagestrategien gehen, sondern auch um sein Hobby. Im Biker’s Cave, unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs, probiert der 55-Jährige auch prompt ein Fahrrad aus.

Mr Bonham Carter, Sie haben sich für ein orangefarbenes Rad mit Körbchen am Lenker entschieden. Das ist ganz hübsch, aber Rennen gewinnen Sie damit nicht.
Darum geht es mir auch nicht. Wenn ich die acht Kilometer von zu Hause ins Büro fahre, nutze ich auch ein typisches Hollandrad. Ich mag es gerne etwas langsamer, komfortabler und sicherer.

Ist das auch Ihre Vorliebe bei der Geldanlage?
Auch da sollte nicht zu waghalsig agiert werden. Es ist wichtig, einen guten Überblick über das Marktumfeld zu haben. Außerdem braucht man Erfahrung, sollte sich konzentrieren und nicht zu sehr in Eile sein.

Beim Radfahren schützen Sie sich mit einem Helm, was hilft gegen die Turbulenzen an den Märkten?
Das Wichtigste ist, in solide Unternehmen zu investieren. Dafür schauen wir uns die Struktur der Firma und die Menschen im Management an. Volatile und schwierige Phasen gibt es immer wieder – ein gewisses Risiko muss akzeptiert werden. Ideal ist es, dann eine langfristige Perspektive zu haben.

Angesichts der aktuellen Kursverluste fällt es vielen Anlegern schwer, gelassen zu bleiben. Wie bewerten Sie die Situation?
Die ersten Wochen dieses Jahres waren an den globalen Aktienmärkten eher schwierig. Aber im Grunde genommen hat sich nichts Grundsätzliches geändert. Investoren sind hauptsächlich darüber besorgt, wie sich die chinesische Wachstumsschwäche auf andere Bereiche der Weltwirtschaft auswirken wird. In Zeiten wie diesen ist es sinnvoll, sich noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, wie wertvoll Geduld und langfristiges Investieren sind.

Haben Sie keine Angst vor einem Abschwung?
Die britische und amerikanische Wirtschaft befinden sich in einem relativ guten Zustand, wobei der niedrige Preis von Öl und anderen Rohstoffen einen natürlichen Korrekturmechanismus darstellt. Beispielsweise profitieren Konsumenten überall auf der Welt von niedrigen Benzin- und Energiepreisen, wodurch sie potentiell über mehr Ressourcen für andere Ausgaben in Güter oder Dienstleistungen verfügen. Dennoch müssen sich umsichtige Investoren der Risiken immer bewusst sein und es gibt sicherlich Indikatoren, die besondere Aufmerksamkeit bedürfen.

Welche Risiken meinen Sie?
Unsachgemäße Handlungen im Bereich der Wirtschaftspolitik seitens der Regierungen oder Zentralbanken könnten die fragile Situation destabilisieren. Das chinesische Wachstum wird wohl weiter langsam voranschreiten und Bereiche, die auf den Handel mit China angewiesen sind, bleiben anfällig. Hinzu kommt das bevorstehendes Brexit-Referendum sowie die US-Präsidentschaftswahl im November. Beides Events, die für signifikante Unsicherheit sorgen könnten und Investoren nervös werden lassen.

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