Finanzindustrie hofft auf Marktbelebung
Master-KAG sorgt für frischen Wind

Die Begeisterung hält sich in Grenzen: Im Gegensatz zu Großbritannien und anderen europäischen Ländern wie Frankreich und der Schweiz sind die deutschen privaten und institutionellen Anleger beim Engagement in Hedge-Fonds vorsichtig. Ein Grund für das schwache Interesse mag in der geringen Produktauswahl liegen. Doch in diesem Jahr soll sich das rasch ändern. Insgesamt ist ein höheres Wachstum der deutschen Hedge-Fonds-Industrie zu erwarten. Einen wesentlichen Beitrag dazu sollen Master-Kapitalanlagegesellschaften (Master-KAGs) leisten.

HB DÜSSELDORF. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat vor kurzem zum ersten Mal überhaupt die Lizenz für eine Master-KAG für Hedge-Fonds vergeben. Kernkompetenz der neuen Master-KAG ist zum einen die Auswahl der Hedge-Fonds-Manager, die Single- oder Dachfonds auf der Plattform der Bank mit entsprechender Lizenz etablieren wollen; dies geschieht durch einen Due-Diligence-Prozess. Zum anderen ist es die Risikokontrolle der Fonds sowie eine den deutschen aufsichtsrechtlichen Regelungen entsprechende, notwendige und effiziente Auslagerungskontrolle.

Investoren bieten die über Master-KAGs aufgelegten Hedge-Fonds entscheidende Vorteile. Sie profitieren über die Master-KAG nun vom Know-How und Track Record etablierter Hedge-Fonds-Manager, die ihre Fonds bisher ausschließlich im Ausland auflegten. Gleichzeitig können sie in Fonds investieren, die nach den deutschen gesetzlichen Regelungen aufgelegt wurden und einer dauerhaften Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde und einer deutschen Depotbank unterliegen. Zudem ist angestrebt, über Master-KAGs nur so genannte steuerlich transparente Fonds anzubieten, bei denen Investoren keine steuerlichen Nachteile erleiden. Ausländischen wie deutschen Hedge-Fonds-Managern erleichtern Master-KAGs den unkomplizierten Zugang zum deutschen Markt.

Dienstleistungen rund um die Fonds

So bietet die neue Master-KAG alle für den Markteintritt notwendigen organisatorischen, rechtlichen und administrativen Dienstleistungen an. Die Gesellschaft wickelt nicht nur das Genehmigungsverfahren für "Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken" ab, sondern organisiert auch die Fondsbuchhaltung nach deutschem Recht und stellt eine steuerliche Zertifizierung der Hedge-Fonds durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu Verfügung. Darüber hinaus übernimmt sie das Risikokontrolle sowie das aufsichtsrechtliche Berichtswesen.

Hedge-Fonds konnten sich im vergangenen Jahr in Deutschland auch deshalb nur schwer etablieren, weil anfangs diese Aufgaben und Interaktionen zwischen Depotbank, Fondsbuchhaltung und Prime Broker juristisch und organisatorisch abgestimmt werden mussten. Die Master-KAG kann helfen, diesen Aufwand zu minimieren. Denn es ist gelungen, eine "Best Practice" für die Ausgestaltung der Kontrollfunktion einer deutschen Depotbank zu entwickeln, die dem internationalen Leitbild eines Prime Brokers für Hedge-Fonds entspricht.

Es wurde in diesem Zusammenhang ein Modell entwickelt, das die Anforderungen der Aufsicht vollständig erfüllt. Der Hedge-Fonds-Manager kann nun den Service eines Prime Brokers nutzen, dem Investor kommt die Kontrollfunktion einer Depotbank zugute. Um für Hedge-Fonds-Manager gegenüber den etablierten off-shore-Fondsadministratoren wettbewerbsfähig zu sein, hat die neue Master-KAG eine Stufe der Wertschöpfungskette des Investmentprozesses ausgelagert. Um Skaleneffekte ausnutzen zu können, stellt eine andere Einheit der entsprechenden Bank in Deutschland die Fondsbuchhaltung als Servicedienstleistung zur Verfügung.

Jörg Sittmann ist Geschäftsführer der Citigroup Investment Deutschland Kapitalanlagegesellschaft mbH.

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