Finanzinvestor erhält Rekordsumme für neue Fonds - Deutsche Firmen auf dem Einkaufszettel
Carlyle sammelt zehn Milliarden Dollar Beteiligungskapital ein

Die angelsächsischen Private-Equity-Häuser stoßen mit ihren Beteiligungsfonds für Unternehmenskäufe in neue Dimensionen vor. Die weltweit investierende Carlyle Group hat für ihren neuen Nordamerika-Fonds „Carlyle Partners IV“ die Rekordsumme von 7,85 Mrd. Dollar eingesammelt, weitere 2,2 Mrd. Dollar Eigenkapital wurden für den Fonds „Carlyle Europe Partners II“ zugesagt.

FRANKFURT/M. Deutschland-Chef Heiner Rutt geht davon aus, dass aus dem europäischen Fonds wieder ein Gutteil der Mittel in Firmenkäufe hier zu Lande investiert wird. „Deutschland ist ein attraktiver Markt für Beteiligungskapital. Es gibt viel gute Produkte, deren Management wir verbessern können“, sagt Rutt. Rechnet man die Kreditfinanzierung hinzu, kann Carlyle in Europa aus dem neuen Fonds Transaktionen über gut 6,5 Mrd. Dollar stemmen, da bei den Deals in der Regel nur ein Drittel Eigenkapital eingesetzt wird.

Private Equity steht als Oberbegriff für außerbörsliches Eigenkapital, dass von Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen sowie reichen Familienstämmen den Finanzinvestoren zur Verfügung gestellt wird. Die Beteiligungsfonds kaufen damit Konzernteile oder mittelständische Firmen und versuchen, den Unternehmenswert in einem Zeitraum von üblicherweise vier bis sechs Jahren durch Restrukturierungen und Investitionen zu steigern. Danach wird das Unternehmen an die Börse gebracht oder an andere Finanzinvestoren bzw. Industriekonzerne weitergereicht. Die Finanzinvestoren locken mit hohen Renditen, Carlyle hat aus dem ersten Europa-Fonds eine zweistellige Rendite erzielt, von 100 investierten Dollar flossen bisher 127 Dollar an die institutionellen Investoren zurück. Nach Veräußerung der noch acht Portfoliounternehmen im ersten Fonds– darunter befindet sich auch der Kfz-Zulieferer Edscha – wird voraussichtlich das eingezahlte Kapital doppelt zurückgezahlt werden.

Der Private-Equity-Markt zählt zu den am stärksten wachsenden Sektoren der internationalen Finanzmärkte. Wie das Centre for Management Buy-Out Research (CMBOR) gestern mitteilte, stieg der Wert der Transaktionen alleine in Europa im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 80,2 Mrd. Euro. Nach Großbritannien war Deutschland der aktivste Markt in Kontinentaleuropa, das Transaktionsvolumen nahm hier um 54 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro zu.

Carlyle-Deutschlandchef Rutt sieht zwar keinen generellen Trend zu immer mehr Mega-Fonds, jedoch würden die Wettbewerber in der Gewichtsklasse von Carlyle sicher nachziehen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Blackstone und Warburg Pincus potenzielle Kandidaten für Fonds über der Marke von acht Mrd. Dollar sind. Carlyle will nach Angaben von Rutt in diesem Jahr noch mindestens einen großen Unternehmenskauf in Deutschland abschließen. Dabei konzentriert sich Carlyle unter ihrem Chairman und früheren IBM-Chef Louis V. Gerstner auf Unternehmenswerte von rund 500 Mill. Euro bis gut eine Mrd. Euro. In Branchenkreisen gilt Carlyle als Bieter für den Antriebsspezialisten Flender, die Dieselmotoren von MTU Friedrichshafen sowie die Messtechnik und Industrieöfen von Ruhrgas Industries – alles Deals im Milliardenbereich. Die bisher größte Übernahme kündigten sieben Finanzinvestoren Anfang der Woche an. Für die Rekordsumme von 11,3 Mrd. Dollar will das Konsortium den US-Softwarehersteller Sungard kaufen. Angesichts der hohen Summen gibt es erste Warnungen im Markt, die vor einer Übertreibung warnen.

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