Finanzkontrolle
Hedge-Fonds nehmen strengere EU-Regeln gelassen hin

Die EU-Kommission will Hedge-Fonds künftig stärker kontrollieren, doch kein Hedgefonds-Manager wird nervös. Von der EU-Regelung seien ohnehin nur die großen der Branche betroffen, meinen Experten. Allerding erhöhe die neue Transparenz den Aufwand - und damit die Gebühren für die Anleger.

FRANKFURT. Die von der EU-Kommission für Anfang 2011 geplante Registrierung für Hedge-Fonds sorgt in der Branche nicht für größere Nervosität. Grund: Die EU-Regelungen zielen vor allem auf größere Hedge-Fonds mit einem Vermögen von über 250 Mio. Euro. Damit wären rund 80 Prozent der Anbieter nicht betroffen. Die EU hat die größeren Anbieter besonders deshalb im Visier, weil deren Ausfall ein größeres Risiko für das Finanzsystem zur Folge hätte. Details sollen am 21. April in Brüssel vorgelegt werden. Bisher haben die Pläne auch deshalb keinen Aufschrei in der Branche ausgelöst, weil sich die großen Anbieter bereits seit längerem freiwilligen Kontrollen unterwerfen.

In Europa stellt sich die Branche darauf ein, den Aufsichtsbehörden künftig aktuelle Kennzahlen über ihre Handelsaktivitäten, über das zur Umsetzung der Strategien eingesetzte Fremdkapital und über die Handelspositionen zur Verfügung stellen zu müssen. Doch Firmen wie der Weltmarktführer Man Group sehen die von der EU diskutierten Regeln nicht als Überraschung. Denn der größte bankenunabhängige Anbieter von Hedge-Fonds-Produkten setzt sich als Gründungsmitglied der Hedge Fund Working Group (HFWG) bereits seit längerem für mehr Transparenz und eine sinnvolle Regulierung ein. Die HFWG hat bereits im Jahr 2007 einen freiwilligen Kodex erarbeitet, der inzwischen zum Standard avanciert ist. "Wir sind der Auffassung, dass die im Kodex definierten Richtlinien für mehr Transparenz sorgen und einen sinnvollen Rahmen für die Geschäftstätigkeit von Einzel-Hedge-Fonds definieren", heißt es bei Man.

Martin Rothe, Chief Operating Officer der Hedge-Fonds-Gesellschaft AIM-Hedge in Liechtenstein glaubt allerdings, dass die Hedge-Fonds-Branche künftig einen höheren administrativen Aufwand betreiben muss, wenn sie Kontrollbehörden bessere Geschäftsdaten zur Verfügung stellen will. Der zunehmende Verwaltungsaufwand sei mit höheren Personalkosten verbunden. Dies werde sich auf die von Hedge-Fonds berechneten Gebühren auswirken. Ähnliches erwarten auch die in den USA aktiven Anbieter, die der dortigen Aufsicht künftig ebenfalls mehr Transparenz bieten müssen. Die von der Obama-Administration geplante Besteuerung von Hedge-Fonds dürfte die Produkte verteuern.

In der EU dürften Hedge-Fonds-Aktivisten von den Regeln stark betroffen sein, die Aktien von Firmen mit dem Ziel kaufen, Einfluss auf deren Geschäftspolitik zu nehmen. Wie aus Brüssel zu hören ist, zielen die geplanten EU-Vorschriften vor allem auf diese Strategie, die durch die Aktienbaisse vergangener Monate jedoch stark an Bedeutung verloren hat, wie auch der Ausstieg von TCI und Atticus bei der Deutsche Börse AG beweist.

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