Finanzkrise
Amerikanische Banken liquidieren Fonds

Die Zahl der Fondsschließungen wegen der aktuellen Finanzkrise nimmt zu. Die US-Investmentbank Lehman Brothers hat im ersten Quartal drei Rentenfonds liquidiert und deren Papiere auf die eigenen Bücher genommen.

Hb NEW YORK/FRANKFURT. Hintergrund seien die wegen der Krise eingefrorenen Kreditmärkte, teilte die viertgrößte Investmentbank der USA gestern in einem Schreiben an die US-Finanzmarktaufsicht SEC mit. Die 300 Mill. Euro an Belastungen seien Teil der Abschreibungen von 1,8 Mrd. Dollar, die Bank-Chef Richard Fuld im ersten Quartal ausgewiesen habe, sagte ein Sprecher. Die Fonds investierten in kurzfristige Rentenpapiere und richteten sich an institutionelle Anleger.

Ein Bericht des „Wall Street Journal“ über die Meldung der Bank an die SEC führte weltweit zu Kursverlusten bei Finanzwerten. Händler sprachen von Befürchtungen, die Finanzkrise könnte in eine weitere Runde gehen. Die Lehman-Aktie verlor knapp drei Prozent an Wert. Um Lehman hatte es in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Gerüchte gegeben, das Haus stecke in Liquiditätsproblemen. Zuletzt konnte die Investmentbank diese Spekulationen durch die Aufnahme von vier Mrd. Dollar zerstreuen.

Die Übernahme von Risiken aus Kundenfonds ist für Banken nicht ohne Risiko. Die Schweizer Großbank Credit Suisse musste im Februar Abschreibungen in Höhe von 780 Mill. Dollar hinnehmen, als sie Papiere aus Geldmarktfonds aufkaufte. Legg Mason stellte zuletzt 400 Mill. Dollar für einen ähnliches Fonds zur Verfügung. Der Vermögensverwaltungsarm von General Electric liquidierte im November einen Fonds für kurzfristige Anleihen über 225 Mill. Dollar.

Analysten rechnen angesichts der schwierigen Märkte für Lehman mit einer Verschlechterung der Ergebnissituation. Eine Insolvenz wie beim Konkurrenten Bear Stearns, der vor kurzem für kleines Geld vom Wettbewerber JP Morgan aufgekauft worden war, erwarten sie hingegen nicht. Der Niedergang von Bear Stearns hatte mit dem Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds im vergangenen Sommer begonnen und war offenbar nicht aufzuhalten gewesen.

Mike Mayo, Analyst bei der Deutschen Bank in New York, rechnet mit Abschreibungen bei Lehman in Höhe von zwei Mrd. Dollar im zweiten Quartal. Die Erträge im laufenden Jahr würden auf das Niveau von 2005 sinken, schrieb er gestern in einer Studie. Magnus Mathewson, Analyst bei Hitchens, Harrisons & Co sagte, Lehman werde eine Reihe schwacher Quartale geben. „Aber ist Lehman ein Insolvenz-Fall? Ich glaube nicht“, fügte er hinzu.

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