Finanzkrise
Fondsgesellschaften setzen Rotstift an

Die Finanzkrise beutelt zunehmend die Fondsindustrie. Die Fondsgesellschaften, die unter ihrem abschmelzenden Vermögen leiden, stellen daher ihre Ausgaben auf den Prüfstand. Viele Anbieter streichen zunächst Sachkosten zusammen oder kürzen die Boni für ihre Mitarbeiter.

FRANKFURT. Einschnitte beim Personal in Form von Entlassungen sind bislang noch eine Ausnahme. Mit Fidelity hat allerdings bereits eine große ausländische Gesellschaft am deutschen Markt angekündigt, wegen der Krise Mitarbeiter zu entlassen. "Wir haben in den vergangenen Jahren stark Personal aufgebaut", sagt ein Sprecher von Fidelity Deutschland. "Nach den schwarzen Oktobertagen müssen wir im einstelligen Prozentbereich abbauen." Zur Jahresmitte hatte Fidelity in Deutschland 210 Mitarbeiter. In Großbritannien und Spanien entlässt Fidelity 10 bis 30 Prozent der Mitarbeiter. In London fallen bis zu 200 Stellen weg. In den USA gib es bereits größere Spekulationen über einen Stellenabbau bei Fondshäusern. Neben Fidelity werden Alliance Bernstein und Janus Capital genannt.

Die Branche gerät mit dem Andauern der Finanzmarktturbulenzen unter Zugzwang, weil der Gewinn eines Fondsanbieters direkt von der Höhe des verwalteten Vermögens abhängt. Die Vermögensverwalter leben vor allem von der Managementgebühr, die sie jährlich prozentual den Kundenvermögen entnehmen - bei Aktienfonds sind es in Deutschland im Mittel 1,5 Prozent, bei Anleihefonds macht sie rund ein Prozent aus.

Ein US-Personalberater sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, er erwarte, dass Vermögensverwalter wegen des Börseneinbruchs rund 350 Milliarden US-Dollar an Gebühreneinnahmen verlieren werden. Auch in Deutschland spitzt sich die Lage zu: Allein für Oktober erwartet man in der Branche, dass das Vermögen der vorrangig für Privatanleger aufgelegten Publikumsfonds wegen Kapitalabflüssen und Aktienkursverlusten in Fonds um 100 Milliarden Euro gesunken ist - das entspricht einem Sechstel des gesamten Publikumsfonds-Vermögens.

"Bei den Fondsanbietern spricht man bislang vor allem darüber, Marketing-Budgets und das Sponsoring zu kürzen", sagt Natalia Wolfstetter, Analystin bei Morningstar. "Wir überprüfen Reise- und Werbekosten", berichtet eine Vertreterin von Templeton. "Man macht derzeit keine Mega-Events - das würden auch unsere Kunden nicht verstehen", so ein Vertreter von Pioneer. Die Höhe der Kürzungen verschweigen die Betroffenen.

Viele Anbieter wollen sich nicht offiziell äußern. "Die Branche steht derzeit nicht vor einem massiven Personalabbau", betonen Vertreter großer deutscher Fondsanbieter. "Ich erkenne noch keinen Abbau von Mitarbeitern", sagt Jürgen Olbermann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Feri Institutional Advisors. Doch das Personal ist der größte Kostenblock. Hier müsse man den Rotstift ansetzen, so ein Branchenvertreter. "Am leichtesten und effektivsten geht das bei den Boni", sagt er. Die leistungsabhängigen Zahlungen 2008 für das Jahr 2007 werden in der Branche wohl deutlich gekürzt.

Grundsätzlich dürften große Fondsanbieter mit ihren vergleichsweise hohen verwalteten Vermögen und der breiteren Produktpalette über einen größeren Puffer verfügen als kleinere, meist spezialisierte Häuser. Kleine Anbieter etwa von Aktienfonds oder strukturierten Produkten kämen rascher an ihre Grenzen als Fondshäuser mit umfangreichem Sortiment, sagt Wolfstetter von Morningstar.

Niemand mag im Moment abschätzen, wie lange der Puffer der Fondshäuser reicht. Je länger die Krise dauere und düstere Erwartungen über Folgen für die Ökonomien die Anleger verunsicherten, desto kritischer werde es, so ein Experte. Für die Fonds seien zwei Dinge jetzt besonders wichtig, heißt es bei einer großen Fondsgesellschaft: ein gut aufgestellter Vertrieb zur Nutzung vorhandener Chancen sowie die Rückkehr zu klaren und einfachen Produkten.

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