Finanzkrise
Hedgefonds sind in der Krise ein sicherer Hafen

Die Rendite sinken, die Gebühren steigen – trotzdem sind Hedgefonds in der Krise bei Anlegern beliebt. Im Niedrigzinsumfeld sind geringer Zinsen besser als nichts. Und die hohen Gebühren sind der Preis für Sicherheit.
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London2,4 Billionen Dollar – auf so viel Geld sitzen Hedgefonds rund um den Globus derzeit. Das ist ein neuer Rekord und 30 Prozent mehr als vor der Finanzkrise 2007, wie das Analysehaus Hedge Fund Research ausgerechnet hat. Vor allem Pensionsfonds aus den USA und Europa klopfen reihenweise bei den mächtigen Investoren an, die wegen ihrer riskanten Anlagestrategie und üppiger Renditen lange Zeit gefürchtet und zugleich bewundert wurden. Doch das Blatt hat sich gewendet, das „Zocker“-Image verblasst. Heute sind die Motive andere: Viele Anleger, auch deutsche Versicherer und Pensionskassen, tragen ihre Gelder zu Hedgefonds, weil sie ihnen zutrauen, die Kursausschläge an den Märkten am besten zu beherrschen und die Verluste im Portfolio zu begrenzen. Verkehrte Welt – die Kunden zahlen extrem hohe Gebühren und bekommen dafür bestenfalls noch einen Mini-Gewinn. Aber im Niedrigzinsumfeld ist das für viele Anleger immer noch besser als gar nichts.

Am deutlichsten bringt die neue Denkweise der Anleger Experte Guy Sainfiet vom Beratungshaus Aon Hewitt auf den Punkt. Er berät viele Pensionsfonds bei ihren Anlagestrategien und weiß, wie sie ticken: „In Zeiten, in denen die Aktienmärkte boomen, fragt man sich als Vermögensverwalter natürlich schon: 'Wofür brauchen wir nochmal den Hedgefonds?'. Aber wenn dann die große Volatilität in den Märkten einsetzt, der große Ausverkauf, dann erinnern sich die Leute wieder: 'Ja genau, deshalb haben wir den Hedgefonds an der Hand.'“

2008, im Jahr der Lehman-Pleite, war die Kernschmelze an den Märkten auf ihrem Höhepunkt: Der MSCI-Index für die wichtigsten Börsenunternehmen der Welt brach damals um über 40 Prozent ein. Hedgefonds dagegen büßten im Schnitt weniger als 20 Prozent ein. In Krisenzeiten kann das durchaus ein Verkaufsargument sein. Vielleicht nicht unbedingt für reiche Privatleute, die ihre Millionen stetig vermehren wollen. Viele von ihnen kehrten den Hedgefonds schon vor längerer Zeit enttäuscht den Rücken. Aber Profi-Anlegern wie eben Pensionsfonds reichen mitunter schon kleine Brötchen - gepaart mit der Hoffnung, dass es irgendwann auch wieder mehr werden kann, wenn sich die Unruhe an den Märkten legt.

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  • @ProKapitalismus

    Den letzten Satz kann ich sofort UNTERSCHREIBEN!!

    Wir werden geboren um zu sterben :)

  • Leider scheinen viele Menschen nicht zu verstehen, das jede "Investition" eine Wette ist. Das liegt nun mal in der Natur der Sache und daran ist nichts schlimmes.

    Selbst wenn Sie eine Eisdiele bei sich im Ort errichten, ein Autohaus aufbauen oder als Autohersteller ein neues Auto herausbringen: Man kann es genauso als Wette betiteln. Sie wetten dann darauf das ihr Geschäft laufen wird. Sie wetten auf den Standort und auf die Kundschaft. Nur allzuviele dieser Wetten gehen schief, so ist nun mal das Leben, schauen Sie sich die vielen Firmenpleiten an. Die meisten Leute die so ein Geschäft eröffnen gehen sogar all-in, klappt ihr Geschäft nicht sind Sie Pleite - von daher ist das sogar deutlich riskanter als z.B. Geschäfte an der Börse, denn hier können Sie selbst bestimmen wieviel Sie riskieren wollen und jederzeit aussteigen, das ist bei einem stationären Geschäft nicht möglich.

    Es liegt hier bei vielen Menschen ein Verständnisproblem vor. Sie denken, das eine sei "Spekulation" und "Wetten", das andere dagegen etwas "handfestes" und "sicheres". Mitnichten. Es gibt keine Sicherheiten und nichts festes im Leben, das einzige was definitiv und garantiert ist im Leben ist der Tod. Denken Sie mal drüber nach.

  • was man nicht alles so kaufen soll.

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