Finanzkrise macht Anleger vorsichtig
Fondsanbieter bangen um Abgeltungsteuer-Geschäft

Noch 100 Tage bis zur Abgeltungssteuer - und kaum noch ein Fondsanbieter glaubt, dass der am Jahresanfang geschätzte Absatzschub wirklich noch kommt. Nur rund ein Fünftel der Anleger will sein Depot wegen der neuen Steuer umschichten.

PARIS/FRANKFURT. In 100 Tagen kommt die Abgeltungsteuer. Und die Fondsanbieter werden immer bescheidener, was den am Jahresanfang in der Branche vollmundig geschätzten steuerlich bedingten Absatzschub zum Jahresende angeht. Die Finanzkrise nimmt ihnen die Hoffnung auf das ersehnte Jahresschlussgeschäft. "Es wird keinen Boom geben", konstatiert ein hochrangiger Vertreter der Investmentbranche. "Wenn die Emotionen an den Börsen so stark bleiben, könnte den Anlegern der Mut zum Handeln fehlen", sagte beispielsweise Bernd Vorbeck, Geschäftsführer von Universal Investment, am Rande einer Konferenz in Paris. "Dann wird auch der Bankberater die Anleger, die ohnehin risikoscheu sind, nicht überreden können."

Eine aktuelle Umfrage unter Anlegern stützt die Befürchtungen: Demnach plant gerade mal gut ein Fünftel Depotumschichtungen wegen der Abgeltungsteuer. Sechzig Prozent der 1 500 befragten Personen sind sich hingegen sicher, dass sie sich in ihrem Anlageverhalten nicht von der neuen Steuer beeinflussen lassen wollen.

Die ab kommendem Jahr geltende Abgeltungsteuer unterwirft alle Einkünfte aus Kapitalvermögen und insbesondere auch die Kursgewinne einer 25-prozentigen Abgeltungsteuer. Bisher sind Kursgewinne bei einer Haltedauer von mindestens einem Jahr steuerfrei. Bis zum Jahresende können Anleger ihr Vermögen noch umschichten. Für diese Positionen gilt dann ein Bestandschutz. Bei einem Verkauf unterliegen die Altbestände dann noch dem bisher gültigen Steuerregeln. Aus diesem Grund erwarteten Fondsanbieter einen Run vor allem auf Vermögensverwaltungsprodukte wie Dach- und Mischfonds, bei denen der Fondsmanager Aktien, Anleihen und andere Papiere kaufen und verkaufen kann, ohne dass Abgeltungsteuer anfällt. Branchenexperten hatten das zu erwartende Umschichtungsvolumen auf bis zu 200 Mrd. Euro taxiert.

Bislang beziffert allerdings lediglich die Noch-Commerzbank-Tochter Cominvest nennenswertes konkretes Neugeschäft mit Blick auf die Abgeltungsteuer. "Wir haben bislang rund vier Milliarden Euro in vermögensverwaltenden Produkten eingesammelt", sagt Cominvest-Chef Sebastian Klein. Es könnten bis zum Jahresende noch ein bis zwei Mrd. Euro dazu kommen, erwartet er. Mit einem Boom am Jahresende rechnet Klein ohnehin nicht: "Wir haben frühzeitig entschieden, dass das Abgeltungsteuer-Geschäft kein Jahresendgeschäft ist".

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