Finanzplatz Luxemburg: Kurze Wege, lange Leine

Finanzplatz Luxemburg
Kurze Wege, lange Leine

Nur noch drei der insgesamt über 150 in Luxemburg ansässigen Banken werden von Luxemburger Kapital bestimmt. Alle anderen Niederlassungen werden aus anderen Ländern dirigiert, die in Luxemburg die Standortvorteile nutzen wollen. Wie sich Luxemburg als zweitgrößte Fondsstandort der Welt behauptet.

LUXEMBURG. Schmucke, kleine Einfamilienhäuser in beige-gelbem oder blassgrünem Anstrich, Kopfsteinpflaster und gurrende Tauben – der „Grund“, also der Graben um die Innenstadt von Luxemburg, hat sein ganz eigenes Flair. „Früher haben hier die Arbeiter gehaust, die Armen der Stadt. Heute ist er ein kleines Juwel“, sagt Marc Hoffmann und streicht die Serviette neben seinen Stäbchen glatt. Hoffmann kommt gerne in den Grund und noch lieber in das japanische Restaurant „Kamakura“. „Das ist sozusagen meine Kantine“, schmunzelt der 58 Jahre alte Banker.

Die Kantine ist somit schon vorhanden, fehlt nur noch der Betrieb. Wenn Hoffmann von diesem Projekt erzählt, gerät er ins Schwärmen. Eine Bank will er am Finanzplatz Luxemburg eröffnen, Ende April: die „Luxembourg – Compagnie de Banque Privée“. Eine Privatbank für die gehobene Kundschaft aus dem Großherzogtum. Eine solche Neugründung hat es in Luxemburg seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Hoffmann, früher Chef der Luxemburger Dependance der belgisch-französischen Bank Dexia, begründet seine Business-Idee so: „Das Problem der meisten Banken hier ist, dass die Entscheidungen nicht im Land, sondern in den Zentralen weit weg gefällt werden. Ich möchte eine echte Luxemburger Bank aufbauen.“

85 Prozent des Kapitals von 80 Millionen Euro für das Projekt stammen dann auch aus Luxemburg. Einer der größten Anteilseigner ist mit 19 Prozent die Luxemburger Sparkasse. Dazu kommen drei wohlhabende Luxemburger Familien und Anteile des Managements – mehr will Hoffmann dazu nicht sagen. Auch mit einer konkreten Einschätzung der Geschäftsaussichten hält er sich zurück. Kein Wort über mögliche Kundenzahl oder Gewinn. Zuversichtlich ist Hoffmann dennoch: Die Mitarbeiterzahl soll bis Ende des Jahres von 30 auf rund 60 anwachsen.

Seit 2000 gab es zwar zwei Initiativen, Privatbanken in Luxemburg zu gründen, allerdings fehlte jedes Mal das nötige Kapital. Das hat Hoffmann zusammenbekommen und will nun eine Alternative zu den vielen ausländischen Kreditinstituten im Großherzogtum bieten.

Nur noch drei der insgesamt über 150 in Luxemburg ansässigen Banken werden von Luxemburger Kapital bestimmt. Alle anderen Niederlassungen am achtgrößten Finanzplatz und zweitgrößten Fondsstandort der Welt werden aus anderen Ländern dirigiert, die in Luxemburg die Standortvorteile nutzen wollen. „Wir haben hier vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit“, sagt Ernst Wilhelm Contzen, Chef der Luxemburger Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, DBLux.

Das heißt im Klartext: Luxemburg hat zum Beispiel nach wie vor klare Steuervorteile gegenüber anderen europäischen Ländern. Der Unternehmensteuersatz liegt bei 29,68 Prozent; viele Banken können über Steueroptimierungsmodelle noch niedrigere Sätze herausschlagen.

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