Finanzskandal
Fall Madoff: Todesstoß für Hedge-Fonds

Der Skandal um den mutmaßlichen Anlagebetrüger Bernard Madoff dürfte die Welt der Hedge-Fonds grundlegend verändern. Mehr Transparenz ist nach Meinung von Experten das Gebot der Stunde. Für Hedge-Fonds heißt das wahrscheinlich: Schärfere Regeln und harte Auflagen. Nichts bleibt wie zuvor.

FRANKFURT. Finanzexperten rechnen als Folge des Madoff-Skandals mit schärferen Regeln für Hedge-Fonds und mit strengeren Transparenzvorschriften. "Der Madoff-Skandal wird eine stärkere Regulierung der Branche zur Folge haben", sagte Maurice E. Schweitzer von der Wharton School der Universität Pennsylvania, dessen Spezialgebiet Vermögensverwaltungen sind. Auch der Chef der Schweizer Banque Safdie, Claude Le Ber, rechnete gegenüber Bloomberg mit strafferen Regeln. Die Branche selbst warnt jedoch vor Überregulierung.

Madoffs Anlagefirma, die als Hedge-Fonds galt, soll Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Mrd. Dollar geprellt haben. Ein Vermögensverwalter sieht in dem mutmaßlichen Betrugsfall den "Todesstoß für Hedge-Fonds in ihrer gegenwärtigen Struktur". Künftig werde es immer weniger Anleger geben, die in Produkte investieren, bei denen sie den Kapitalfluss nicht konkret nachverfolgen können, sagt auch Wharton-Professor Schweitzer. Anleger würden sich künftig verstärkt Zweit- und Drittmeinungen einholen.

Fonds müssten künftig ihren Anlegern Transaktionen detailliert darstellen, erwartet Horst Bennin, Geschäftsführer des zur Quandt-Gruppe gehörenden Hedge-Fonds-Pioniers Auda, "Transparenz ist das große Thema für Hedge-Fonds", sagte er. Dafür werde auch der Druck der Anleger sorgen.

Die betroffene Branche rät jedoch zur Regulierungspolitik mit Augenmaß. "Das Thema Regulierung hat sich großteils bereits erledigt", sagt Andreas Benz, Vorstand der Eucalyptus Invest in Zürich. So sei die Bedeutung von Hedge-Fonds bisher bereits weit überschätzt worden. Sie habe sich zuletzt noch weiter verringert: "Das Kapital der Branche hat sich in wenigen Monaten halbiert." Da vor allem starke und bereits transparente Hedge-Fonds überlebten, sei die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung geringer geworden.

Erst in dieser Woche sind drei nationale Verbände der Fondsbranche - die Investment and Financial Services Association aus Australien, das Investment Company Institute aus den USA und die Investment Management Association aus England - Sturm gegen Forderungen nach mehr Regulierung gelaufen. Wenn Hedge-Fonds etwa ihre Leerverkaufs-Transaktionen offen legen müssten, drohe ihnen Schaden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. In diesem Fall könnten andere Akteure durch Manipulationen die Kurse jener Aktien in die Höhe treiben, die Hedge-Fonds leerverkauft haben. Diese Leerverkaufs-Positionen könnten Fonds nur unter Inkaufnahme hoher Verluste zu steigenden Kursen wieder eindecken.

Doch einige Vertreter der Branche zeigen sich einsichtig. "Wir sind für mehr Transparenz und sinnvolle Regulierung", heißt es bei der weltgrößten Hedge-Fonds-Firma Man Group. Die britische Gruppe hat die Fund Working Group mitbegründet, die 2007 einen eigenen freiwilligen Verhaltenskodex entwickelt hat.

Auch der Bundesverband Alternative Investments fordert eine Regulierung mit Bedacht. Deren Vertreter Frank Dornseifer ist für eine Harmonisierung bestehender nationaler Regelwerke und für eine effektivere Anwendung dieser Vorschriften. Supranationale Aufsichtsbehörden wie IOSCO und CESR sollten bei den derzeit laufenden Konsultationen die in der Hedge-Fonds-Branche geltenden Selbstregulierungs-Standards berücksichtigen und in die geplanten Regulierungsvorschriften der Behörden einflechten.

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