Flucht in stabile Anlagen
Anleger meiden Aktienfonds

Angesichts der jüngsten Börsenrückschläge haben die Investmentgesellschaften Probleme, Abnehmer für ihre Aktienprodukte zu finden. Die Hemmschwellen zum Einstieg angesichts der Verluste sind offenbar groß. Investoren flüchten deshalb vermehrt in stabile Anlagen.

FRANKFURT. "Die aktuellen Ausschläge ermuntern nicht zu Käufen", sagt Henrik Takkenberg, Leiter Europavertrieb bei Deutschlands größtem Fondshaus DWS. "Anleger zeigen sich auf Grund der weltweiten Börsenlagen weiter verunsichert und wenden sich von Aktienfonds ab", sagt Ingo Ahrens, Geschäftsführer von Robeco Deutschland. Laut einer aktuellen Umfrage von Robeco schätzt nur noch knapp ein Fünftel aller Anlageberater die Absatzlage bei Aktienfonds als gut ein.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Anleger Aktienfondsanteile im Wert von netto 14,2 Mrd. Euro zurückgegeben; in diesem Januar kamen weitere 3,1 Mrd. Euro hinzu. Das Geld floss in großem Umfang in Geldmarktprodukte. In den vergangenen Handelstagen erreichte die Finanzkrise mit den Schieflagen beim Finanzinvestor Carlyle und der Investmentbank Bear Stearns einen neuen Höhepunkt.

Die Fonds-Anbieter hoffen nun, dass sie Anleger ihre Neigung zum Kauf von wertstabilen Produkten - und zu Lasten der Aktienprodukte - nicht noch weiter verstärken. "Die große Masse der Privatkunden hat die Aktienquoten schon deutlich gesenkt oder überhaupt keine Aktien", sagt Takkenberg.

Ganz ähnlich sieht es Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank: "Wir erwarten keine Änderung des Anlegerverhaltens auf Grund der Finanzkrise. Die Deutschen werden nicht stärker sicherheitsorientiert anlegen als bisher, da sie das bereits im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr bis zum Anschlag getan haben." Der DWS-Experte glaubt: "Es ist eine Frage der Zeit, wann das Kaufverhalten dreht. Vieles spricht dafür, dass es noch dieses Jahr sein wird."

Die Anleger sind offenbar stark gespalten in Optimisten und Pessimisten. Während die eine Hälfte auf Kaufchancen wartet, sich demnach auch seit Ausbruch der Finanzkrise offenbar rational mit dem Thema Geldanlage beschäftigt, halten sich die anderen zurück. Dies zeigt die jüngste Umfrage der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management unter rund 500 privaten Wertpapierbesitzern vom Ende Februar, nach der fast jeder Zweite in den nächsten sechs Monaten neue Investitionen plant. Fast genau so viele Anleger (45 Prozent) wollen allerdings derzeit keine neuen Anlagen tätigen. Im Vergleich zum Herbst tendieren die Anleger eher zum Kaufen.

Zu diesen auch in Krisenzeiten eher rational agierenden Anlegern zählen offenbar die vom Finanzportal Onvista jährlich im Herbst befragten 1 700 Fondsinvestoren. Nach dieser Umfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, haben die Anleger auch nach Ausbruch der Finanzkrise noch Aktienfonds im Depot. Die Investoren mit überwiegend mehr als fünf Jahren Erfahrung mit Investmentfonds wollen ihre meist breit investierenden Aktienfonds halten oder sogar Anteile hinzukaufen.

Auf den langfristig denkenden Anlegern ruhen daher die Hoffnungen der Anlagebranche. Die Investmenthäuser versprechen sich höhere Absätze durch eine erhöhte Nachfrage vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009. Dadurch wird ein Schwenk in breit anlegende Fonds mit Aktienanteil begünstigt. "In diesem Jahr haben wir bis Mitte März schon zwei Mrd. Euro an Publikumsfonds abgesetzt, drei der fünf bestverkauften Produkte sind Fonds mit Vermögensverwaltungscharakter", sagt ein Vertreter der Cominvest.

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