Flut neuer Anträge für Beteiligungsmodelle sorgt für Engpässe bei der BaFin
Fonds droht zeitweiliger Vertriebsstopp

Die Einführung der Prospektpflicht für geschlossene Fonds ab dem 1. Juli wird für einige Anbieter zu einem zeitweiligen Vertriebsstopp führen.

DÜSSELDORF. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestätigte dem Handelsblatt, dass es ihr nicht gelingen werde, allen Anbietern rechtzeitig zum Start der Neuregelung die Vertriebserlaubnis für ihre Fonds – im Amtsdeutsch „Gestattung zur Veröffentlichung des Verkaufsprospektes“ genannt – zu erteilen. Grund sei die Vielzahl kurzfristig eingereichter Prospekte. „Die Fondsemittenten haben die von uns angebotene Vorprüfung der Prospekte nicht so angenommen, wie wir uns das gewünscht hätten“, sagte eine BaFin-Sprecherin. 175 Anbieter hätten von der Vorprüfung Gebrauch gemacht. Konkrete Angaben über die Zahl der Fonds, die pünktlich an den Start gehen können, wollte die Sprecherin nicht machen. Allerdings sagte sie, dass die Zahl nicht dreistellig sei.

Geschlossene Fonds finanzieren mit Anlegergeldern Immobilien, Schiffe, Windkraft- und Solaranlagen, Filme, Videospiele, Wagniskapitalbeteiligungen und den Ankauf von gebrauchten Lebensversicherungspolicen. Die Fondsemittenten sammelten nach einer Statistik des Fondsanalysten Stefan Loipfinger 2004 über alle Segmente hinweg Anlegergelder in Höhe von rund 12,9 Mrd. Euro ein. Ergänzt um Fremdkapital, investierten die Fonds etwa 25,6 Mrd. Euro.

Frühestens am nächsten Dienstag dürfen die Gesellschaften Beteiligungen nach neuem Recht anbieten. Die „Gestattung“ muss am Freitag beim Anbieter vorliegen. Er kann dann per Pflichtanzeige noch am Samstag in einem Börsenpflichtblatt darauf hinweisen, wo der Prospekt erhältlich ist. Zwischen Anzeige und Vertriebsbeginn muss ein Werktag liegen.

Probleme mit der Umsetzung der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung (VermVerkProspV), in der geregelt ist, welche Angaben ein Prospekt enthalten muss, deuteten sich bereits vor Wochen an. So berichtete Thorsten Voß, einer der Prospektprüfer bei der BaFin, auf einer Veranstaltung Anfang Juni von immer wiederkehrenden Fehlern bei der Darstellung der Risiken einer Beteiligung. Zwar ist die Nennung von Risiken, wie etwa Einnahmeausfälle bei einem geschlossenen Immobilienfonds wegen Insolvenz des Mieters, in den Prospekten auch bisher schon Standard. Doch die BaFin verlangt, dass die Risiken klar abgegrenzt von den Chancen im Prospekt stehen müssen, was bisher nicht üblich war.

Seite 1:

Fonds droht zeitweiliger Vertriebsstopp

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%