Folgen der Lehman-Pleite
Finanzkrise greift auf Geldmarktfonds über

Durch Probleme des US The Reserve Primary Fund-Geldmarktfonds hat die Finanzkrise jetzt eine der bisher sichersten Anlageformen erreicht. Während die Einlagen in den USA gefährdet sind, bestehen bei europäischen Fonds geringere Risiken.

FRANKFURT/NEW YORK. Die Geschäftsbank Wachovia musste ihren Geldmarktfonds Evergreen mit fast 500 Mill. Dollar stützen, nachdem Evergreen von der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers kalt erwischt wurde. Der Reserve Primary Fund hatte zuvor seinen Anlegern mitgeteilt, dass der Wert ihrer Investments unter ihre Einlage gefallen sei. Es ist das erste Mal seit 14 Jahren, dass die Einlagen eines als sicher geltenden Geldmarktfonds unter Wasser sind.

Experten halten diese Entwicklung für bedrohlich, weil damit direkt Kleinanleger die Folgen der Krise zu spüren bekommen. Es wachse die Gefahr einer Panik, in der Investoren Hals über Kopf ihr Geld aus den Geldmarktfonds abzögen, hieß es an der Wall Street; die Einlagen in den USA werden nicht durch eine Versicherung garantiert. Die US-Fondsdachgesellschaften haben bereits rund acht Mrd. Dollar in ihre Geldmarktfonds nachgeschossen, um den Wertverfall zu stoppen.

Aufgrund von starken Mittelabflüssen schloss die US-Gesellschaft Putnam Investments ihren 15 Mrd. Dollar schweren Geldmarktfonds Putnam Prime Money Market Fund. Es handelt sich um einen Fonds für institutionelle Investoren.

Die Unsicherheit über Liquiditätsprobleme des US-Geldmarktfonds beschäftigt auch die Fondsbranche in Europa. Grundsätzlich können Vertreter großer Geldmarkt- und Rentenfonds nicht ausschließen, dass auch hier Fondsprodukte Probleme bekommen. Denn Schuldverschreibungen von Banken oder kurzfristige Einlagen bei Banken gehören zu den alltäglichen, wenig exotischen Anlagen in Geldmarkt- sowie in Rentenfonds. Je nachdem, welches Institut gerade von der US-Regierung gehalten oder fallen gelassen werde, könnten aber auch einst renommierte Adressen unter die Räder geraten, beschreibt ein Vertreter eines großen europäischen Vermögensverwalters die Sorge von Investoren.

Gleichwohl weisen Branchenkenner darauf hin, dass der US Reserve Primary Fund-Fonds offenbar spekulativer investiert als etwa ein durchschnittlicher US- oder europäischer Geldmarktfonds.

Unterdessen betonen große europäische Anbieter wie Allianz Global Investors oder BNP Paribas, dass ihr Engagement in Anleihen und Derivaten von Lehman minimal sei.

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