Fondmanager Henning Gebhardt
Mr. Aktie geht

Nach fast 20 Jahren bei der Fondstocher der Deutschen Bank verlässt der bekannte Fondsmanager das Haus. Was der Mann, der in Göttingen aufwuchs, nun vorhat?

Leicht ist es ihm nicht gefallen, seinem Team von 40 Fondsmanagen und Aktienanalysten zu sagen, dass Ende Dezember gehen will, nach 20 Jahren – Teilnehmer berichten von einem hochemotionalen Moment. Die Deutsche Bank Fondstochter Deutsche Asset Management (DAM) verliert mit Henning Gebhardt nicht nur ihren Aktienchef, Star-Fondsmanager und einen Geschäftsführer. Der 48-jährige Investor, der das Aktienkapital der DAM von 84 Milliarden Euro verantwortet, ist auch ein Streiter für gute Unternehmensführung – eine Stimme, die Unternehmen nicht überhören können.

So warnte der zurückhaltende, aber bestimmte Aktienfan, dem man nachsagt, seine Analysen lieber dreimal zu überprüfen, den Autobauer kurz nach Bekanntwerden der Dieselaffäre im Handelsblatt, dass „das Nicht-Einhalten von Standards und eine schlechte Unternehmenskultur zu einer extremen Schädigung der Marke führen“ kann.

Der Diplom-Kaufmann und gelernte Bankkaufmann hat sich bei der Fondstochter, die damals DWS hieß, den Ruf eines Trüffelsuchers aufgebaut: Akribisch analysiert er Unternehmen, forscht nach Trends - und kauft nur Aktien von Firmen, hinter denen er voll steht.

Was der Mann, der Göttingen aufwuchs, nun vor hat? Zu einem der großen Konkurrenten wechseln will er offenbar nicht –„da hätte ich auch hier bleiben können“- soll Gebhardt Kollegen gesagt haben. Dass Gebhardt, der es „nicht unspannend findet, im Wettbewerb zu stehen“, zu einem feinen kleinen Vermögensverwalter geht, halten manche für vorstellbar. Dort könnte der „Überzeugungstäter in Sachen Aktie“ wieder voll seiner Leidenschaft nachgehen.

Dem Vernehmen nach haben ihm die Verwaltungsaufgaben seiner Chefposten weniger Freude bereitet. Gebhardt verlässt die Deutsche Bank in schwerer Zeit angesichts Margendrucks und Umstrukturierung. Zwar übernimmt mit Tim Albrecht ein erfahrener Manager Gebhardts Milliarden schweren Aktienfonds. Und die DAM hat noch andere renommierte Fondsmanager wie Klaus Kaldemorgen, der kürzlich erst bekräftigte dass er noch zwei Jahre bleibt. Doch in einem Jahr, in dem vor allem private Wertpapieranleger schon mehr als fünf Milliarden Euro aus DAM-Fonds abgezogen haben, trifft es das Haus hart, ihren Mr. Aktie zu verlieren.

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