Fonds Die Megatrends sind zurück

Vor ein paar Jahren wurden Biotechnologie und IT als große Boombranchen ausgerufen, jetzt preisen Fondsgesellschaften Elektromobilität oder Photovoltaik an und zitieren Studien, die große Wachstumspotentiale vorhersagen. Doch die enge Ausrichtung der Spezialfonds birgt Risiken.
  • Laura de la Motte
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Werden Elektroautos der neue Megatrend? Quelle: dpa

Werden Elektroautos der neue Megatrend?

(Foto: dpa)

Solche Zahlen beeindrucken, zumindest auf den ersten Blick. Im Jahr 2015 sollen 50 Prozent der europäischen Neuzulassungen Elektro- oder Hybridautos sein. Schon 2025 sollen nur noch solche Fahrzeuge produziert werden. Das behauptet eine Studie der Fachhochschule Gelsenkirchen. Fondsmanager Thomas Bauer zitiert diese Analyse gern, denn er glaubt fest daran, dass Elektromobilität der nächste große Megatrend wird. Seit Juni 2009 kauft er für den Absolut Future Mobility Fund nur Aktien von Unternehmen, die direkt oder indirekt an der Branche beteiligt sind.

Wenn die Börsen boomen und alle gängigen Fonds an den Anleger gebracht sind, werden mit schöner Regelmäßigkeit Trendfonds aus dem Hut gezaubert. „Momentan sind regenerative Energien und Rohstoffe besonders angesagt“, beobachtet Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft deutscher Kapitalanleger (SdK). Trendfonds investieren gezielt in Unternehmen, die für eine Branche produzieren, die gerade In ist oder der große Wachstumspotentiale vorausgesagt werden. In den vergangenen Monaten wurden die Fondsgesellschaften wieder kreativer und spürten neue Trends auf – meist mit wohlmeinenden Studien belegt.

China und USA Vorreiter bei Elektromobilität

Beispiel Future Mobility Fund: Bei Elektroautos ist die Bundesregierung weit weniger optimistisch. Sie rechnet für 2020 gerade mal mit einer Million Autos. Als sie im August verlautbarte, sie werde den Kauf der ersten 100 000 Stück unterstützen, sich dabei auf keine konkrete Summe für die Förderung festlegen wollte, meldete sich Bauer schleunigst per Pressemitteilung zu Wort. Als „E-Mobilitätsexperte“ kritisierte er die Pläne als halbherzig und schlug vor, dass Kommunen den Kauf von Elektroautos durch kostenloses Parken und ein Maut motivieren sollen.

China und die USA dagegen könnten dafür sorgen, dass Bauers Vision vom neuen Megatrend doch noch Wirklichkeit wird. Schon 2020 sollen die Hälfte aller chinesischen Autos elektrisch angetrieben werden, hat er gelesen. Präsident Obama will bis 2015 eine Million Elektroautos im Straßenverkehr sehen und unterstützte die Entwicklung der Technik mit 2,4 Milliarden Dollar. Bauer hat daher den Fonds schwerpunktmäßig auf diese Länder ausgerichtet. Größter Titel im Depot ist zurzeit BYD, ein chinesischer Auto- und Batteriekonzern, der 2009 zwei Elektroautomodelle vorgestellt hat und an dem auch Investment-Guru Warren Buffett zehn Prozent hält. Dahinter folgen die amerikanischen Batteriehersteller Advanced Battery und A123.

Bei der Auswahl der Aktien achtet Fondsmanager Bauer nach eigenen Angaben weniger auf Unternehmenskennzahlen oder Branchenindices, sondern sucht gezielt die „Leader“, die sich gerade für Elektromobilität rüsten. Bauer: „Ich lese aufmerksam Presseartikel, telefoniere mit Firmen und Verbänden, wer welche Pläne verfolgt und in Elektromobilität investieren will.“ Ob dieses Research ausreicht und der Fonds tatsächlich üppige Renditen abwirft, muss sich allerdings noch zeigen.

Ein Megatrend folgt dem nächsten

Doch Elektromobilität ist nicht der einzige neue Megatrend, den Fondsgesellschaften jüngst entdeckt haben. Frankfurt Trust hat im November den FT Global Infrastructure Diversified Fonds (ISIN: DE000A0NEBS3) aufgelegt. Dem Infrastrukturbereich werden „große mittelfristige“ Wachstumspotentiale vorausgesagt – zum einen durch die in der Finanzkrise aufgelegten Konjunkturprogramme in den Industrieländern, zum anderen durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern. Eine offizielle Studie wird dafür allerdings nicht zitiert.

Der Fonds spezialisiert sich auf Aktien der Branchen Verkehr, Versorgung, Entsorgung und Kommunikation. Die Auswahl der Titel überlässt man bei Frankfurt Trust der eigenen Software. Das „quantitativen BMR+-Modell“ soll ein Depot aus 80 bis 100 der aussichtsreichsten Infrastrukturtitel ermitteln. Fondsmanagerin Birgit Ebner prüft das Depot anschließend auf Klumpenrisiken und schichtet die Aktien um, wenn aktuelle Gewinnwarnungen und regulatorische Neuerungen veröffentlicht werden.

Auch in die Solarbranche können Anleger seit Oktober direkt investieren – mit dem Warburg Photovoltaik Global 30 . Der Fonds orientiert sich am Photovoltaik Global 30-Index. Darin sind Unternehmen aus der Solarbranche gelistet, darunter Solarstromerzeuger, Solarzellenhersteller, Servicetechniker und Baufirmen. Im Gegensatz zum Index setzt der Fonds auf kleinere Solarunternehmen, wie Canadian Solar. Die sollen, so die Strategie des Managements, ein höheres Wachstumspotential bieten. Zusätzlich sind Newcomer wie Manz im Depot, während in Titel von Q-Cells, Conergy und NPC wegen der hohen Verschuldung der Unternehmen nicht investiert wird.

Michael Höng, Initator des Fonds, glaubt an einen bald einsetzenden Boom im Solarbereich. Nachdem die Preise für Photovoltaik-Anlagen massiv gesunken sind, geht er davon aus, dass schon in zwei Jahren Netzparität herrschen wird – das heißt, dass sich Haushalte dann selbst preiswerter mit Strom vorsorgen können. Dadurch würde ein Run auf die Photovoltaik-Technik ausgelöst werden. Auch Höng hat eine passende Studie parat – von der Bank Sarasin. Demnach sollen die Wachstumsraten für die Solarbranche in den nächsten drei Jahren zwischen 45 und 50 Prozent liegen. „Das ist doch unglaublich. Mit unserem messerscharfen Fonds werden wir an diesem Wachstum partizipieren“, raunt Höng.

Etwas nüchterner sieht Gerrit Frey vom Deutschen Aktieninstitut solche Trendfonds: „Im Gegensatz zu global und europaweit angelegten Aktienfonds, ist die Branchenstreuung bei Spezialfonds deutlich geringer, was mit einem erhöhten Risiko einhergeht.“ Den Fondsmanagern sind in schlechten Zeiten die Hände gebunden, denn sie können nur in dem vorgegebenen Themenfeld investieren. „Der Anlageerfolg hängt davon ab, ob sich der der Markt gemäß der Erwartungen entwickelt und das lässt sich nie genau vorhersagen“, so Frey weiter.

Biotechnologie und IT floppten

Dass nicht jeder Trend ein langfristiger Erfolg wird, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Der Allianz RCM Biotechnologie A hat seit seinem Höchststand im Jahr 2000 etwa die Hälfte an Wert verloren. Noch größer sind die Verluste beim Postbank Global Economy, der schwerpunktmäßig in Internetaktien investiert. Zahlreiche andere Trendfonds schnitten ebenso schlecht ab und verschwanden trotz vollmundigen Ankündigungen schnell wieder vom Markt.

Privatanleger sollten deshalb bestenfalls einen kleinen Teil ihres Vermögens in Spezialfonds investieren. Frey: „Als Basisinvestment im Aktienmarkt empfehle ich immer einen breit streuenden Fonds.“

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