Fonds
Experten erwarten sinkende Gebühren für Fondsanleger

Lange Zeit waren die Gebühren im deutschen Fondsgeschäft einfach und klassisch strukturiert: Den Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent, den der Kunde einmalig beim Kauf von Fondsanteilen zahlte, erhielt der Vertrieb als Entlohnung für seine Beratungsleistung.

Die jährlich fällige Verwaltungsgebühr von durchschnittlich 1,5 bis 2,0 Prozent ging – abzüglich einer geringen Bestandsvergütung – an das Asset Management. So ist es im Grundsatz immer noch, allerdings führen veränderte Strukturen in der Investmentbranche wie beispielsweise die offene Architektur im Vertrieb oder das Geschäft über Direktbanken und Börsenplattformen jetzt dazu, dass traditionelle Preismodelle auf den Prüfstand kommen und sich die Schwerpunkte verschieben.

Branchenkenner beurteilen diese Aufbruchstimmung positiv. Was sie sich wünschen, ist eine Kunden- und Leistungsorientierte Gebührenstruktur. „Der Vertrieb sollte langfristig nicht über den Ausgabeaufschlag der jeweiligen Produkte entlohnt werden, sondern mit einem eigenständigen Honorar für die umfassende, individuelle Beratung seiner Kunden“, skizziert Jörg Moberg, Executive Director Unternehmenskommunikation von Fidelity Investments, die Idealwelt der Zukunft. Und statt einer pauschalen Gebühr für die Managementleistung würde Jörg Röckinghausen, Leiter Produktmanagement Geldanlage bei MLP, im Interesse seiner Kunden grundsätzlich eine von der Fonds-Performance abhängige Bezahlung begrüßen: „Aber natürlich darf diese nicht zusätzlich zu bestehenden Gebühren erhoben werden.“

Von diesen Idealen ist die Fondsindustrie in Deutschland noch ein gutes Stück entfernt. „Aber die Branche feilt an neuen Wachstumsstrategien“, sagt Thorsten Liebert, Berater bei Booz Allen Hamilton. Das sei nötig, weil die goldenen Zeiten ungebremster Nettomittelzuflüsse längst vorbei seien und die Publikumsfonds zusätzlich in hartem Wettbewerb mit alternativen Investments wie Zertifikaten stünden. „Die Fondsgesellschaften haben gemerkt, dass zu den wesentlichen Stellschrauben im Kampf um das Geld der Investoren die Optimierung von Produkt und Vertriebsvergütung gehört“, so Liebert. Bei der Vergütung setze sich allmählich die Erkenntnis durch, dass diese je nach Distributionskanal sehr spezifisch optimiert werden müsse.

„Die so genannten Zillmerung lässt sich in diese Richtung interpretieren", sagt Liebert. Mit diesem Modell sollen unabhängige Finanzvermittler dazu ermutigt werden, Fondssparpläne zu verkaufen. Bisher erhielt der Vertrieb ganz klassisch den Ausgabeaufschlag des monatlichen Sparbetrags. Im Gegensatz zum Verkauf von Rentenversicherungen für die Altersvorsorge war das kein wirklich lohnendes Geschäft. Deshalb haben einige Investmentgesellschaften Fondssparpläne mit fester Laufzeit entwickelt und so strukturiert, dass der Vertrieb die komplette Provision gleich bei Vertragsabschluss erhält. Ob dieses Modell auch für Endkunden optimal ist, stellt Liebert allerdings in Frage.

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