Fonds kaufen Derivate
Neuer Zugang zu Bodenschätzen

Die Konvergenz geht weiter: Seit Jahresbeginn dürfen Fonds Derivate auf Rohstoffindizes ins Portfolio aufnehmen. Jetzt sind die ersten Produkte am Markt.

HB LONDON. Das knappe Angebot bei Rohstoffen und die langfristig steigende Nachfrage lässt einige Marktteilnehmer von einem Superzyklus schwärmen. Die Fondsindustrie setzt auf diesen Trend und erhofft sich große Wachstumsraten in dieser Anlageklasse. Bis Anfang 2006 war es für EU-richtlinienkonforme Investmentfonds nicht möglich, unmittelbar in Rohstoffe anzulegen. Die bis dahin unter der Bezeichnung "Rohstofffonds" vermarkteten Fonds waren bei näherer Hinsicht Aktienfonds, die in Unternehmen aus dem Rohstoffbereich investierten. Dabei waren die Kriterien, welche Unternehmen zum Rohstoffsektor zählten, nicht einheitlich. Um Anlegern eine bessere Diversifizierung zu ermöglichen, war deshalb das Interesse groß, direktere Anlageformen in Rohstoffe zuzulassen.

Im Januar 2006 hat auf europäischer Ebene das Committee of European Securities Regulations (CESR) empfohlen, Derivate und Zertifikate auf Rohstoffindizes als Anlageformen für richtlinienkonforme Fonds zuzulassen. Im Wesentlichen ist hierfür erforderlich, dass der Rohstoffindex hinreichend diversifiziert ist, eine adäquate Bezugsgrundlage für den Markt darstellt und in angemessener Weise veröffentlicht wird. Es ist wahrscheinlich, dass die Europäische Kommission dieser Auslegung folgen wird. Die Aufsichtsbehörden einiger Mitgliedstaaten haben bereits im Vorgriff Anlagen auf Rohstoffindizes für richtlinienkonforme Investmentfonds zugelassen. Hierzu gehört inzwischen auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Die Fondsindustrie hat die Gestaltungsmöglichkeiten bereits genutzt. Inzwischen gibt es die ersten börsengelisteten Investmentfonds auf Rohstoffindizes. Bei aktiv gemanagten Fonds setzen einige Anbieter auf eine individuelle Gewichtung von Rohstoff-Subindizes oder auf einen attraktiven Mix von Rohstoffaktien und Rohstoffindizes. Da Marktteilnehmer in letzter Zeit häufiger auf das Risiko von Rückschlägen an den Rohstoffmärkten hingewiesen haben , wird erwartet, dass die Fondsindustrie in naher Zukunft vermehrt Investmentfonds mit Garantiemechanismen anbieten wird.

Im Ergebnis sind die Möglichkeiten für Investmentfonds, in Rohstoffe anzulegen, verbessert worden. Im Vergleich zu Investmentfonds sind allerdings Zertifikate in diesem Zusammenhang die flexiblere Anlagemöglichkeit. Investmentfonds können mittels Derivaten und Zertifikaten nur in bestimmte anerkannte Rohstoffindizes anlegen. Zertifikate hingegen können sich grundsätzlich auf alle Rohstoffindizes oder maßgeschneiderte Baskets von Rohstoffen sowie Einzelrohstoffe beziehen. Damit die Wettbewerbsnachteile gegenüber den Zertifikateemittenten sinken, halten viele Fondanbieter vor diesem Hintergrund eine weitere Reformierung des Investmentrechts für notwendig.

Jörn Schiemann und Harald Herrmann sind bei Morgan Stanley im Bereich Strukturierte Produkte tätig.

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