Fonds machen 50 Prozent Verlust
„Lateinamerika übersteht die Krise“

Lateinamerikanische Aktienmärkte leiden zweifellos heftig unter der Wirtschaftskrise. Doch die Angst einiger Investoren, dass ein Land der Region zahlungsunfähig wird, scheint unbegründet. Selbst Experten sind überrascht.

FRANKFURT. "Heute erweisen sich die meisten Länder Lateinamerikas als bemerkenswert widerstandsfähig gegenüber externen Erschütterungen", sagt Mark Mobius, Fondsmanager von Franklin Templeton. Brasilien, Chile und Mexiko brachten Konjunkturpakete auf den Weg, so dass sich der globale Einbruch nicht massiv auf ihre inländische Wirtschaft auswirkt.

"Dank des guten Konjunkturmanagements konnten die meisten lateinamerikanischen Länder auch an ihren flexiblen Wechselkursen festhalten", sagt Mobius. In früheren Wirtschaftskrisen waren die Wechselkurse in Südamerika stärker an den US-Dollar gebunden, sagt der Experte. Vor zehn Jahren führte die Abwertung der Währungen noch zu einer massiven Finanzkrise in der Region, die zur Staatspleite Argentiniens führte. Von solch einer Pleite wird Lateinamerika in dieser Krise verschont bleiben, versichert Mobius.

Der Schwellenland-Experte ist unter anderem für den Templeton-Latin-America-Fonds verantwortlich. Das Produkt musste ebenso wie alle anderen Lateinamerika-Fonds in der Feri-Hitliste in den vergangenen zwölf Monaten erheblich Federn lassen: Die 28 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds verloren um knapp 50 Prozent an Wert (siehe Tabelle).

Das starke Engagement in brasilianischen Aktien sorgte beim ISI-Latin-America-Equities-Fonds zumindest für ein zwischenzeitliches Renditeplus. Im Februar verlor das Produkt mit 1,57 Prozent vergleichsweise wenig an Wert. 70 Prozent des verwalteten Vermögens liegt in Bovespa-Titeln. Das halbstaatliche Unternehmen Petrobras allein macht knapp zehn Prozent des Portfolios aus. Den Rest der 28 Mio. Euro investiert Anders Damgaard in Mexiko, Peru und Chile.

Der Fondsmanager bleibt für die kommenden Monate vorsichtig und nahm kürzlich Kursgewinne mit: "Wir reduzierten unseren Anteil an brasilianischen Stahlunternehmen." Seit dem Tiefstand im November 2008 zeigte der Sektor Stärke und die Aktien stiegen. Wegen der schwachen globalen Wachstumsraten ist jedoch nach Meinung des Aktienstrategen eine anhaltende Kurshausse unwahrscheinlich. Damgaard hält das frei gewordene Kapital daher vorerst als Kassebestand vor. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf: "Wir könnten die Mittel in defensiven Unternehmen vorsichtig wieder anlegen."

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