Fonds unter der Lupe
Auf der Suche nach unterbewerteten Junk-Bonds

Etliche Fondsmanager investieren derzeit in hochverzinsliche Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität. Auch "Sparinvest High Yield Value Bonds Fonds" setzt auf ein solches Hochzins-Portfolio, um auch in der Krise zu punkten. Doch die hohen Erträge der vergangenen Monaten dürften sich kaum wiederholen lassen.
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FRANKFURT. Hochverzinsliche Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität haben sich in diesem Jahr so gut entwickelt, dass Anlegern mulmig werden könnte. Im Schnitt haben auf Euro lautende sogenannte Junk-Bonds Investoren seit Januar Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen von fast 71 Prozent gebracht. Investoren wie Klaus Blaabjerg, Fondsmanager des "Sparinvest High Yield Value Bonds Fonds", fürchten aber trotz dieser beeindruckenden Entwicklung keine massive Korrektur.

"Natürlich werden sich so hohe Erträge wie zu Jahresanfang nicht mehr erwirtschaften lassen", sagt Blaabjerg. Dieses Jahr sei nach dem Krisenjahr 2008, in dem auch die Kurse von Junk-Bonds abstürzten, eine Ausnahme. Mit seinem Fonds will Blaabjerg aber auch im kommenden Jahr um die zehn Prozent erwirtschaften. Zwischenzeitlich könne es natürlich Kursrückschläge am Markt geben, wenn Investoren Gewinne mitnähmen, sagt Blaabjerg, der seit gut vier Jahren Fondsmanager bei der dänischen Sparinvest ist.

Prinzipiell hätten aber viele Unternehmen mit schwächerer Bonität ihre Bilanzstrukturen zum Beispiel durch Kapitalerhöhungen und Kosteneinsparungen verbessert, betont der Däne. Und ein Hochzins-Portfolio ließe sich auch dann erfolgreich verwalten, wenn es in der Wirtschaft nur moderate Wachstumsraten gebe.

Der Fonds, den Blaabjerg mit seinem Kollegen Sune Højholt Jensen managt, setzt auf die von der Aktienseite her bekannte Value-Strategie. Dabei wählen die Fondsmanager unterbewertete Anleihen von oft kleinen Unternehmen aus, die vergleichsweise gering verschuldet sind. Interessant finden die beiden Portfolioverwalter zum Beispiel Anleihen des nordamerikanischen Herrenmodelabels Perry Ellis und des norwegischen Ölunternehmens Sevan.

"Sparinvest hat sich generell dem Value-Gedanken verschrieben, und auch der Anleihen-Fonds setzt den Value-Gedanken konsequent um", sagt André Härtel, Senior Fondsanalyst bei Feri Euro Rating Services. Allerdings: "Erfolgreich war er damit nur in diesem Jahr", urteilt Härtel. Ob die Strategie langfristig aufgehe, müsse sich zeigen.

So erwirtschaftete der Fonds von Januar bis Ende September eine Rendite von knapp 73 Prozent. Damit lag er nach Daten des Fondsanalysehauses Lipper auf Platz drei unter 55 vergleichbaren Fonds. Aktuelle Vergleichsdaten gibt es in den nächsten Tagen. Seit Ende September legte der Sparinvest-Fonds nochmals zu und schlägt mit einer aktuellen Jahresperformance von fast 76 Prozent auch weiter den Index. Die gute Entwicklung in diesem Jahr katapultierte den Fonds auch in der Dreijahresperformance auf Rang fünf nach vorne. In der Betrachtung der einzelnen Jahre schnitt er hingegen weitaus schlechter ab. 2008 lag der Sparinvest-Fonds mit einem Minus von 37 Prozent nur auf Rang 44. Und 2007 und 2006 landete er mit Erträgen von knapp und gut neun Prozent auch jeweils nur auf den Plätzen 24 und 41.

Blaabjerg erklärt das damit, dass im vergangenen Jahr nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers gerade die Kurse der kleinen und zyklischen Unternehmen unter die Räder kamen. 2006 wurde der Fonds neu aufgelegt und hatte laut Blaabjerg in einem Markt, in dem Hochzinsanleihen teuer waren, Probleme, die zugeflossenen Gelder von rund 200 Mio. Euro schnell anzulegen. 2007 hätten sich dann Value-Werte unterdurchschnittlich entwickelt. Dies sei typisch, wenn sich eine Wirtschaft in eine Rezession bewege. Am Ende einer Rezession holten Value-Werte aber historisch gesehen auf, betont Blaabjerg.

Aktuell hält der Fonds Anleihen von knapp 100 verschiedenen Emittenten. Dabei mischt er auch Bonds von Unternehmen mit guter Bonität bei und hat Junk-Bonds mit besonders schwacher Bonität untergewichtet. Damit ist er laut Härtel von Feri "breit und relativ konservativ" aufgestellt. Neben den Bonds von kleinen Firmen ist der Fonds derzeit bei nachrangigen Bonds von großen Banken übergewichtet.

Sehen lassen können sich die geringen Ausfallquoten im Fonds von nur einem viertel Prozent im vergangenen und einem halben Prozent in diesem Jahr. Zum Vergleich: Weltweit fielen nach Daten der Ratingagentur Moody's allein in den vergangenen zwölf Monaten 12,4 Prozent aller weltweiten Junk-Schuldner aus. So hoch war die Ausfallquote in der Zeit nach der großen Depression in den 1930er-Jahren laut Moody?s noch nie.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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