Fonds unter der Lupe: Fonds für asiatische Internetaktien erfordert starke Nerven

Fonds unter der Lupe
Fonds für asiatische Internetaktien erfordert starke Nerven

Volker Kuhnwaldt muss schwindelfrei sein - zumindest in der Hochgeschwindigkeitszone Internet. Der Fondsmanager ist mit seinem Aktienfonds, der auf asiatische Internetfirmen setzt, seit der Jahrtausendwende Achterbahn gefahren. Zum Ende des Tech-Hypes im Jahr 2000 aufgelegt, stürzte der Fonds nach rasantem Start ins Bodenlose. 2001 und 2002 schmolzen fast 70 Prozent des Anlegervermögens dahin.

FRANKFURT/M. In den folgenden Jahren ging es aber noch rasanter bergauf: 2003 verdoppelte der Mann der Investmentfirma Nordinvest nahezu den Wert des Fonds. Auch 2004 fiel der 43-Jährige mit einem Plus von knapp 28 Prozent auf. Die Konkurrenten der Vergleichsgruppe "IT-Aktienfonds" verloren im Durchschnitt gut ein Prozent, wie das Fonds-Ratinghaus Feri Trust ermittelte.

"Ich bleibe bei meinem Konzept und suche ausschließlich aussichtsreiche Internet-Anbieter in Asien", sagt Kuhnwaldt. Die rund 50 Titel im Portfolio findet er vor allem mit Hilfe guter Research-Berichte angelsächsischer und asiatischer Banken. Zwar reist der Hamburger auch einmal im Jahr nach Fernost; und drei Viertel der Fonds-Firmen besuchen ihn jedes Jahr in Hamburg bei der Hypo-Vereinsbank-Tochter. Doch diese Eindrücke runden seine Entscheidung nur ab, zumal "Firmenchefs viel erzählen können", meint Kuhnwaldt. Um ein asiatisches Internet-Unternehmen zu verstehen, müsse man sich ohnehin nicht in asiatische Managementstile einarbeiten, sagt er. "Viele Firmenchefs haben in England oder den USA studiert und führen ihr Unternehmen nach westlichem Vorbild."

Der Fondsmanager fokussiert stark: 38 Prozent des Fondsvermögens von immerhin 543 Mill. Euro investiert er in die schwersten fünf Fondstitel. Das hohe Ländergewicht von Japan, China und Korea von 56 Prozent und je rund 20 Prozent ergibt sich allein aus der Selektion. Zu den größten Titeln im Fonds zählen drei japanische Werte: das Internet-Auktionshaus Rakuten, Handy-Software-Anbieter Access und Internetdienstleister Softbank.

Anlegern gefällt das Konzept offenbar. Aus dem Fonds, der in seinem ersten Jahr über zwei Mrd. Euro eingesammelt hatte, sind laut Feri Trust nur wenige Anleger ausgestiegen - auch wenn Kuhnwaldt nach dem krassen Wertverlust böse Briefe frustrierter Anleger bekam. Seit der Erholung steigen vor allem private Anleger und Dachfondsmanager wieder ein. Der Nordasia.com ist der mit Abstand der größte Fonds seiner Vergleichsgruppe.

Überzeugt vom Nordasia.com zeigen sich auch große Fonds-Ratinghäuser. "Kuhnwaldt hält seinen Stil durch und arbeitet nicht schlecht", sagt Feri-Trust-Analyst Achim Backhaus. Für ihn und Nordinvest spreche ohnehin, dass Kuhnwaldt in der Baisse nicht - wie andere Stars des Tech-Titel-Hype - seinen Job verlor.

Das Fondsratinghaus Morningstar kürt den Fonds gar mit fünf Sternen, der Spitzennote. "Anleger müssen sich aber bewusst machen, dass sie einen sehr speziellen Fonds kaufen", warnt Analystin Natalia Siklic und verweist auf die extrem hohe Wertschwankung von durchschnittlich gut 37 Prozent in den letzten drei Jahren. Andere IT-Fonds schwankten rund 28 Prozent. Wegen der engen Ausrichtung könne der Fonds den starken Ausschlägen des Segments kaum entgehen, meint Siklic. "Anleger entscheiden sich daher weniger für einen Fonds als für einen Markt: Man muss daran glauben, dass die Asiaten besonders internetbegeistert sind, und gute Nerven haben." Generell sollten Anleger nur Geld in den Fonds stecken, das sie nicht brauchen.

Auch Ralf Lüke, Berater bei der unabhängigen Fondsplattform dima24, gefällt der Fonds. Da Asiens IT-Aktien aber zuletzt gut gelaufen sind, rät er, die Anlagesumme über einen Sparplan einzuzahlen. So entgehe man der in dem Segment beträchtlichen Gefahr, zum falschen Zeitpunkt zu investieren.

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