Fonds-Wissen
ETCs und ETFs: Ein feiner Unterschied

ETCs (Exchange Traded Commodities) werden oft mit ETFs (Exchange Traded Funds) verglichen. Doch die Produkte mit Rohstoffen als Basiswert sind kein Sondervermögen, sondern unterliegen einem Emittentenrisiko. Dieses Risiko ist aber unterschiedlich.

Die ähnlichen Bezeichnungen sind irreführend: ETFs haben mit ETCs nur wenige Gemeinsamkeiten. Während die börsengehandelten Indexfonds ETFs Sondermögen sind und somit bei der Insolvenz des Emittenten geschützt sind, basieren ETCs wie Zertifikate auf einer Anleihe und unterliegen damit zunächst einem Emittentenrisiko. Bei der Besicherung gibt es allerdings Unterschiede.

Fachleute unterscheiden zwischen physisch hinterlegten ETCs, vollständig besicherten ETCs oder ETCs mit Drittdeckung. Bei den physisch besicherten ETCs hinterlegt der Emittent den Gegenwert mit Goldbarren. Dieser Bestand darf auch nicht verliehen werden, sondern muss in den Tresoren eines Verwahrers gehalten werden.

Vollständig besicherte ETCs werden hingegen mit garantierten Kontrakten eines Partners, beispielsweise eines Versicherungskonzerns, gedeckt. Dazu kommen nach den Marktturbulenzen der Vergangenheit weitere Sicherheiten. Beispielsweise Bareinlagen, Geldmarktfonds oder Staatsanleihen mit sehr guter Bonität, die mitdem täglichen Marktpreis bewertet werden und auf einem separaten Konto verbucht werden.

Bei der dritten Variante - ETCs mit Drittdeckung - werden die ETCs auch durch Kontrakte eines Partners besichert. Es erfolgt zwar eine treuhänderische Verwahrung, allerdings sind die Inhaber dieser ETCs dem Kreditrisiko des Partners ausgesetzt.

Derzeit begeben vier Anbieter ETCs: ETF Securities, Deutsche Börse Commodities, Lyxor und Source - eine neue Gesellschaft, die von der Bank of America Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley gegründet wurde.

Angefangen hat alles 2003, als ETF Securities mit dem Gold Bullion Securities den ersten ETC auf den Markt gebracht haben. Zwei Jahre später folgte mit OILB der weltweit ersten Rohöl- ETC. Dessen Kurs orientiert sich an der Preisentwicklung des Brent Öl-Futures. Mittlerweile umfasst das Angebot an börsengehandelten ETCs mehr als 150 Produkte. Dabei können Anleger sowohl auf steigende als auch auf fallende Rohstoffpreise setzen. Allein Source hatzumMarkteinstiegamMontag dieser Woche 22 neue ETCs auf den Markt gebracht. Basiswerte sind Unterindizes des S&P Goldman Sachs Commodity Index (GSCI).

Die Deutsche Börse Commodities, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse mit sieben Partnerbanken, hat einen Xetra-Gold-ETC auf den Markt gebracht. Dieser zählt zu den physisch hinterlegten ETCs, denn Xetra- Gold wird jederzeit zu 100 Prozent durch Gold gedeckt. 95 Prozent des Edelmetalls werden in physischer Form in Tresoren eingelagert. Source hinterlegt hingegen bei ihren ETCs Anleihen der G7-Länder als Sicherheit für die Ansprüche der Käufer.

Trotz der physischen Verwahrung sind bei Xetra-Gold im Falle einer Insolvenz der Emittenten die Ansprüche der Gläubiger aus den Schuldverschreibungen nicht besichert. Ansprüche aus den Schuldverschreibungen wären gleichrangig mit Forderungen anderer Gläubiger.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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