Fondsbilanz
Leere Versprechen, hohe Verluste

Die Anleger können es kaum glauben: Fonds, die als konservativ und sicher beworben wurden, sind völlig abgeschmiert. Manche Produkte haben fast 70 Prozent verloren. Eine desaströse Bilanz.
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Er heißt Dr. Alexander Seibold und wurde 2009 vom Analystenhaus First Five zum Vermögensverwalter des Jahres gekürt. Seither ist er vor allem auf Börsen- TV-Sendern ein gefragter Gesprächspartner. Doch nahezu unbemerkt sind zwei Mischfonds, die er berät, völlig abgeschmiert.

So verlor der von ihm für die Fondsgesellschaft Hansainvest verwaltete DSC Active Return seit der Auflegung im April 2010 fast 70 Prozent an Wert. Auch beim etwas riskanter ausgerichteten DSC Active Opportunities lief es kaum besser. Dabei verspricht der Investor KID des DSV Active Return, dass der Fonds „eine defensive und auf Sicherheit orientierte Anlagepolitik“ verfolgt. Die Erzielung eines kontinuierlichen Ertrags pro Quartal stehe dabei genauso im Mittelpunkt, wie eine hohe Risikobegrenzung.

Bei der Frage, wie es bei diesem Risikoniveau vor allem im vergangenen Jahr zu derart starken Verlusten kommen konnte, verweist Seibold auf andere Papiere, die ebenfalls schlecht abgeschnitten haben: „2011 war für viele Fonds ein sehr schlechtes Jahr, egal in welcher Assetklasse der Schwerpunkt lag.“ Fonds mit einem 40 bis 60 Prozent negativem Ergebnis seien in 2011 keine Seltenheit gewesen. Auch scheinbar konservative Fonds hätten teilweise erhebliche Verluste erlitten.

Der Begriff konservativ relativiere sich in bestimmten Börsenphasen. Zudem sei sein Mischfonds Active Constant Profit Global ausgezeichnet worden, weil er den Ausbruch der Finanzkrise mit Bravour gemeistert habe. Inzwischen büßte auch dieses Portfolio auf Jahressicht 35 Prozent an Wert ein.

Mit einem Minus von 48 bis 49 Prozent im Zwölf-Monats-Zeitraum rangieren die von Seibold gemanagten Portfolios DSC Active Return und DSC Opportunity bei flexiblen Mischfonds ganz hinten– gefolgt von fünf Portfolios des Vermögensverwalters Hans Werner Brandt (HWB Capital),die mehr als 25 Prozent verloren. Miserabel fiel auch das Ergebnis vieler Managed-Futures-Fonds aus, die zuvor oft über Jahrzehnte stabile Erträge vorweisen konnten. So verlor der AC Pharos Evolution Fund jährlich 18 Prozent im Dreijahresmittel. Auch der österreichische Anbieter Superfund musste Federn lassen.

Tatsächlich waren die Märkte in den vergangenen Jahren selbst für ausgewiesene Profis nur schwer einzuschätzen. Nach einem anfänglichen Plus brachen die Kurse im Juli 2011 ein, bewegen sich aber seither wieder in einem Aufwärtstrend. Unterm Strich hätten Anleger, die direkt auf den Dax oder den MSCI World gesetzt hätten, seit April 2010 eine mehr oder weniger schwarze Null erzielt.

Viele Banker empfahlen ihren Kunden seit Ausbruch der Finanzkrise Mischfonds. So hat sich das investierte Volumen seit 2004 von 28 auf 118 Milliarden Euro vervielfacht. Die Überlegung: Wer sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilt, kann Risiken, die bei einer Anlage in lukrativen Anlageklassen wie Aktien entstehen, abfedern. Zudem dürfen die Manager oft zusätzlich Derivate einsetzen, die in schlechten Zeiten Puffer bieten sollen.

Kommentare zu " Fondsbilanz: Leere Versprechen, hohe Verluste"

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  • Ein Fonds, vorausgesetzt gemanagt von einem sehr seriösen, ebenso qualifizierten und beinahe apathisch handelnden Fondsmanager ist nur am Anfang seiner Zeit erfolgreich: wenn er "zu voll", "zu schwer" wird, weil viele ihr hart erkämpftes Geld hineinpumpen, dann schleppt er sich immer zäher durch die Jahre. Beispiel: DWS Vermögensbildungsfonds I = DWS VernichtungsfondsI!!
    Auf dem Fondskongress in Mannheim begegnete mir seinerzeit der Harly-Davidson-Rauscher Kaldemorgen - ein Bündel radioaktiver Strahlung der Antipathie und: GIER!
    Bei Fonds immer auf die jährlichen Kosten, auf die TER achten. Auch, ob Prämien bei Wachstumserfolg wie etwa bei DJE und seinen Asienfonds 10 Prozent p.a. erhoben werden. Dann kann Anleger seine Hoffnungen gleich mit dem Ausgeben begraben!! Erfolgreich war hier einzig der Franzose. Cleverer ist hier die Strategie, etwa die ersten Positionen des Carmignac zu verfolgen, über längere Zeit, ihre Wechsel zeitnah mitzuvollziehen, also eine der ersten drei Aktien dann auch zu kaufen, wenn hier die Zusammensetzung wechselt. Wie vor kurzer Zeit. Davor war Apple der erste Platz. Nach dem Kursverfall ist iPhone nun Platz-2. Aber: solange die Welt verschuldet ist: sinnlos!

  • Sehe mich selbst als Anleger-Laie und bitte anwesende Profis um freundliche Aufklärung.

    1. Fed und EZB öffnen seit geraumer Zeit die Geldschleusen aber signifikante Wertsteigerungen bei Aktien und anderen "Asset"-Klassen lassen auf sich warten.

    2. Wenn aber der Spruch "Inflation ensteht durch Geldausgeben, nicht durch Gelddrucken" stimmt, kann es sein, dass der Staat keinerlei Möglichkeiten hat, eine Inflation künstlich zu erzeugen (Reflationierung) und ein deflationäres Umfeld wahrscheinlicher wird?

    3. Oberste Regel in einer Deflation: keine Schulden haben und ordentlich Bargeldhaltung. Ist eine Deflation mit ihren negativen Wirkungen auf alle Märkte zu erwarten?
    Es macht mich halt stutzig, 5 Mal am Tag das Wort Inflationsangst zu lesen. Ist dieser Medien-Hype vielleicht ein Versuch, Menschen zum Geldausgeben zu bewegen?

  • Es ist allerdings zweifelhaft, Mischfonds als "konservativ und sicher" anzupreisen. Da bekommt der Leser gleich einen falschen Eindruck. Bei Mischfonds sind definitiv Schwankungen enthalten und Wertverluste möglich. Wer sich da hinterher wundert, dass er Verlust gemacht hat, hat sich entweder selbst schlecht informiert und eine falsche Erwartungshaltung gehabt, oder der Bankberater hat den Kunden falsch beraten. Bei der großen Anzahl an Fonds wundert es mich auch nicht, dass einige Fonds miserabel abschneiden. Interessieren würde mich da schon eher die Entwicklung der Fonds, bei denen die Anleger zu Recht eine "konservative und sichere" Geldanlage erwarten können, nämlich die Geldmarktfonds. Sind die genauso abgeschmiert? Ich erwarte das eher nicht.

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