Fondsbranche
„Banken haben ihre Position missbraucht“

Die Fondsbranche sieht sich einer Reihe von Vorwürfen ausgesetzt. Kritiker mahnen Veränderungen an, um verloren gegangenes Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen. In Handelsblatt-Gesprächen äußern sich sechs international anerkannte Vordenker der Anlageindustrie zu den Problemen der Branche.

1. Im Vertrieb und in Finanzkonzernen kollidieren Interessen

Todd Ruppert, CEO der US-Anlagefirma T. Rowe Price GIS, Baltimore: Es hat bei den meisten Anbietern immer einen Widerspruch gegeben zwischen den angebotenen Produkten und dem, was der Kunde braucht. Wir brauchen hier mehr treuhänderische Sorgfaltspflicht statt Absatzmaximierung durch den Verkauf möglichst teurer Produkte. In Europa konzentrieren sich die meisten Vertriebe nur auf den eigenen Gewinn. Anleger sind in diesem Jahrzehnt schon mehre Male reingefallen: erst mit Internet-Aktien, dann mit strukturierten Produkten. Das können wir als Branche nicht noch einmal zulassen.

Robert Jenkins, Chairman des britischen Fondsverbandes IMA, London: Es ist skandalös, dass die EU-Behörden ignorierten, wie die Banken ihre Position als dominante Vertriebsstellen für Finanzprodukte immer wieder missbraucht haben. In Kontinentaleuropa wimmelt es von diesen Interessenkonflikten.

W. Mansfeld, Präsident des deutschen Fondsverbandes BVI, Frankfurt: Wir brauchen den Vertrieb, schon weil er die nötige Beratung leistet. Als Produktproduzent kann die Fondsbranche aber nicht alle Verantwortung von sich schieben und sagen: Wenn die Beratungsqualität nicht gestimmt haben sollte, ist das nicht unser Problem. Wenn der Anleger das falsche Produkte erhält, leiden wir am Ende auch. Es gibt Analysen, die auf zwei Probleme hinweisen: eine sehr kurze Haltedauer bei den Fonds und der hohe Anteil neu aufgelegter Produkte am Absatz. Das könnte bedeuten: Es wird zu kurzfristig angelegt.

Massimo Tosato, Vice Chairman beim Verwalter Schroders, London: Berater in Kontinentaleuropa würden gerne jedes Jahr eine neue Anlagestory verkaufen – es ist ähnlich wie in der Modeindustrie.

Murat Ünal, Vorstand der Beratungsfirma Funds at Work, Frankfurt: Aus Firmensicht haben viele Asset-Manager ein Problem: Ihre Mütter sind oft Banken, für die ihre Töchter nur Mittel zum Geld verdienen sind. Da reden wir über versteckte Gebühren wie Provisionseinnahmen im Finanzgeschäft mit Privatkunden. Wir reden aber auch von überzogenen Gebühren, wenn die Tochter über ihre Mutter Wertpapiere für die Fonds handelt. Das ist leider keine Seltenheit. Deshalb muss der Weg zu unabhängigen Asset-Managern gehen.

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