Fondsbranche
Rekorde an den europäischen Fondsmärkten

Die Fondsanbieter in Europa setzten im Mai laut Lipper FMI Anteilsscheine in Höhe von netto 32,1 Mrd. Euro ab - eine Verzehnfachung gegenüber dem Vormonat. Anleger kaufen Anteile wie seit Jahren nicht mehr. Das Interesse in Deutschland wird unterschätzt.

FRANKFURT. "Es ist das höchste Volumen seit Oktober 2007", sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin der Fondsanalysefirma. Der Großteil des Gesamtabsatzes entfällt mit 16,2 Mrd. Euro auf Aktienprodukte. Es ist der absatzstärkste Monat für dieses Segment seit drei Jahren. Auf der Plusseite stehen auch Anleiheprodukte, vor allem Portfolios für Unternehmensbonds, die es auf 8,9 Mrd. Euro bringen. Hier waren es die höchsten Absätze seit vier Jahren. "Die Anleger entwickeln wieder Appetit auf Risiko", registriert Joachim Nareike, Vertriebsexperte bei Schroder Investment Management. Beobachtern zufolge schwenkten vor allem vermögende Privatkunden von Cashanlagen in Fonds.

Trotz der guten Mai-Zahlen wollen Experten vorerst keine Wende zum Besseren ausrufen. Verhaltener Optimismus bestimmt die Erwartungen. "Wir hoffen auf 80 bis 100 Mrd. Euro Absatz für das Gesamtjahr, wissen aber, dass neue schlechte Nachrichten alle Prognosen über den Haufen werfen können", sagt Mackay. Ähnliches glaubt Jörg Knaaf, Deutschland-Leiter bei Natixis Global Associates: "Das ist schwer einzuschätzen, aber wenn die Rettungsmaßnahmen greifen, könnte die Wende im Mai nachhaltig sein."

Vor kurzem hatte der deutsche Fondsverband BVI über den Absatz im Mai berichtet. Hierzulande flossen netto 0,8 Mrd. Euro in Fonds, Einzelsegmente wie beispielsweise Aktienportfolios verzeichneten ein Plus von 2,6 Mrd. Euro, Rückgaben gab es bei Anleihen- und Geldmarktfonds. Ein Vertriebsfachmann erklärt das Auseinanderklaffen der Tendenzen: "Viele wichtige Anbieter berichten nur über ihre europaweiten Absätze, nicht über die Teilabsätze in einzelnen Ländern."

Das führt in Monaten mit guten Absätzen wie dem Mai in Gesamteuropa zu einer systematischen Unterschätzung der Absatzzahlen in einzelnen Ländern. Auch in Deutschland berichten viele große internationale Anlagehäuser ihre nationalen Zahlen nicht an den BVI. Zu dieser Gruppe gehören JP Morgan Asset Management, Blackrock, Schroders, Threadneedle, Goldman Sachs Asset Management, Carmignac sowie einige kleinere Anbieter etwa aus der Schweiz. Viele dieser Häuser stehen in der europäischen Absatz-Hitliste im Mai ganz oben. Und Mackay erkennt: "Tendenziell wächst in Deutschland das Geschäft der ausländischen Anbieter."

Gerade bei risikoreicheren Produkten für Aktien und Anleihen sind diese Häuser oft gefragt. Blackrock beispielsweise hätte im Mai einen positiven Beitrag für die deutsche Statistik geliefert. Schroders sammelte hierzulande im bisherigen Jahresverlauf etwa eine Milliarde Euro netto in den auf Privatanleger zielenden Publikumsfonds ein.

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