Fondsexperten im Streitgespräch
„Wir erleben erschütternde Ahnungslosigkeit“

Anleger sind in vielen Fällen naiv, wenn es um das eigene Geld geht. Darüber und über die Sicherheit von Fonds streiten der Anwalt Klaus Nieding und Fondsverband-Chef Thomas Richter.
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Handelsblatt: Herr Richter, wenn wir in die Statistik gucken, gibt es da etwas, was Sie als Geschäftsführer des Fondverbands mal erklären müssen. Da steht:  Nur jeder fünfte Fonds schlägt seinen Vergleichsindex. Das ist keine überzeugende Bilanz.
Thomas Richter: Ach wissen Sie, diese Untersuchungen werden ständig zitiert, aber hat sie sich mal jemand genau angeschaut? Ich kenne sie jedenfalls nicht, allerdings kenne ich eine aktuelle Untersuchung des Analysehauses Lipper, die deutliche positiver für die Fondsbranche ausgefallen ist.

Klaus Nieding: Die zitierte Zahl stammt aus einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und des Instituts für Vermögensaufbau aus dem Jahr 2011. Sie werden aber wahrscheinlich auch eine Statistik finden, die für Sie und Ihre Branche spricht. Das erinnert mich an einen alten Otto-Witz: Rauchen gefährdet doch nicht die Gesundheit, gezeichnet Doktor Marlboro.  Ich denke, diese Zahlen können wir schon so in den Raum stellen, das sind verlässliche Zahlen. Man kann es ja auch positiv ausdrücken. Immerhin ein Fünftel schaffte es, den Index zu schlagen.

Richter: Nein, nein, es sind sehr viele mehr…. Es ist ja auch nicht immer das gleiche Fünftel.

Beruhigt mich nicht so sehr. Aber mal unabhängig von den Statistiken – und welche denn nun stimmt, wird es für die Fondsbranche  schwieriger im aktuellen Umfeld Geld anzulegen?

Richter: Ja, viel schwieriger. Das Hauptproblem ist der große Vertrauensverlust der Privatanleger in die Märkte und damit in alle Produkte, die mit dem Finanzmarkt zu tun haben. Das spüren aber im Moment nicht nur wir als Fondsbranche, das spüren auch die Anbieter anderer Produkte. Das geht querbeet, ob es nun die Kollegen der Zertifikatebranche sind oder Versicherungen – wir kämpfen alle mit dem gleichen Vertrauensverlust in die Märkte. Und wir leiden natürlich alle unter den niedrigen Zinsen. Das sind massive Belastungen für das Privatkundengeschäft. Auf der anderen Seite erleben wir im institutionellen Geschäft einen wahren Boom. Im ersten Halbjahr haben institutionelle Anleger, wie Versicherungen und Pensionskassen, 30 Milliarden Euro in Spezialfonds investiert. Der Bedarf an insolvenzgeschützten Produkten, die treuhänderisch verwaltet werden, ist riesengroß.

Sind Sie auch Anwalt der institutionellen Anleger, Herr Nieding?

Nieding: Ja, sicher. Schauen Sie sich die Klagen gegen Porsche an oder jetzt den Libor-Skandal. Da gibt es viele institutionelle Anleger, die sagen, bevor ich von Privatanlegern in die Haftung genommen werde, will ich diejenigen zur Verantwortung ziehen, die letztlich für den Skandal verantwortlich sind.

Wie erklären Sie sich den Zuwachs bei institutionellen Anlegern, die in Fonds investieren, den Herr Richter gerade beschrieben hat?

Nieding: Es fehlen die Alternativen. Die Investmentfonds sind bei aller Kritik ja eine relativ sichere Anlageform. Sie streuen das Risiko, das Geld ist Sondervermögen, also im Falle einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt, Fonds stehen unter Aufsicht – all das sind Dinge, die natürlich auch den institutionellen Anleger anzieht. Denn auch er ist seinen Investoren Rechenschaft schuldig, was er gerade in unsicheren Zeiten mit dem Geld macht. Das größte Problem der Fondsbranche ist auch nicht, ob nun 20 Prozent oder mehr den Index schlagen, sondern dass die Politik nicht mehr berechenbar ist.

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  • Ich habe über viele Jahre fast alles "durchprobiert": kleine/grosse Aktien, ETFs, Anleihen, Festgeld, Fonds. Mein Fazit: mit Einzelaktien kann man viel Geld verdienen (wenn man Glück hat). Aber man ruiniert seine Nerven. Die Kursentwicklung ist seit einigen Jahren chaotisch, weil zu viele Spekulanten, Banken ("Hochfrequenzhandel") usw. an den Kursen herum manipulieren. Auch die Politik beeinflusst indirekt immer mehr die Kurse (Geldflutung, Euro-Desaster...). Standard-ETFs (z.B. auf den DAX) sind etwas stabiler, aber sie schützen nicht vor großen Einbrüchen. Es gibt aber Fonds, die zumindest in der Vergangenheit Einbrüche recht gut überstanden haben und trotzdem eine erstaunliche Rendite haben. Den Ausgabeaufschlag nehme ich da gerne in Kauf. Ich kaufe aber nur Fonds, die von Morningstar mit 4 oder 5 Sternen bewertet wurden. Kaufen und liegen lassen. Kursschwankungen einfach aussitzen.

  • Schön das auch Sie begeistert sind!
    Sie hätten sich aber wenigstens die Mühe machen können den Anschein zu wahren das Sie das Interview gelesen haben und sich darauf beziehen (es ging übrigens um die Anlage in gemanagten Aktienfonds) - ist so üblich.

  • In den seriösen Varianten dieser Berichte wird aber auch erwähnt das meist nur die Tiere groß rauskommen und die Sache veröffentlicht wird in denen es viel Glück hatte. Ihre Aussage ist also falsch, Affe und co. schlagen den Index genausoviel oder wenig wie wir alle auf Dauer.
    Wenn ich so zurückdenke wie ich früher versucht habe Aktien durch Internetrecherche auszuwählen weiß ich immer nicht ob ich lachen oder mich ärgern soll das ich das nicht einen Papagei habe machen lassen. Und die faule Katze kann eigentlich auch mal was tun.

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