Fondsindustrie
Anleger ziehen Milliarden aus Fonds ab

Die Fondsindustrie erlebt einen dramatischen Herbst: Branchenvertreter berichten über hohe Rückgaben von Anteilen. Im Oktober haben Anleger massiv Anteile an Wertpapier- und offenen Immobilienfonds verkauft. Dagegen zeigt sich das Geschäft bei börsengehandelten Indexfonds von den Turbulenzen unbeeindruckt - den ETFs fließt sogar Geld zu.

FRANKFURT. Bereits für September berichtet der Fondsverband BVI über Abflüsse von 7,4 Mrd. Euro. Das ist der stärkste Abzug seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007.

"Für Oktober rechne ich bei Publikumsfonds mit einem Vermögensverlust von 100 Mrd. Euro, börsenbedingte Verluste und Fondsrückflüsse zusammengenommen", sagt ein hochrangiger Vertreter der deutschen Fondsbranche, der nicht genannt werden möchte. Die Branche hätte damit in einem Monat ein Sechstel ihres Vermögens in den vor allem für Privatkunden konzipierten Fonds verloren. Zu einem gewichtigen Teil müssen dafür Abflüsse verantwortlich sein: Knapp die Hälfte des Fondsvermögens ist aktienlastig. Die Aktienmärkte haben im Oktober im Mittel knapp 19 Prozent verloren. An den führenden Rentenmärkten gab es wegen der starken Nachfrage sogar Kursgewinne. Ende September verwaltete die Branche in Publikumsfonds 668 Mrd. Euro. In dem Monat sank das Vermögen um rund 40 Mrd. Euro. Als Auslöser für die erdrutschartigen Verluste nennen Experten die Eskalation der Finanzkrise nach der Pleite von Lehman Brothers am 15. September und vor allem die Abzüge von Fondsgeldern in der Woche nach der Staatsgarantie für Bankeinlagen am 5. Oktober.

Die negative Einschätzung des Fondsexperten wird durch eine Umfrage des Handelsblatts bei den fünf größten Anlagegesellschaften für Wertpapierfonds in Deutschland, DWS, Deka, Union Investment, Allianz Global Investors und Cominvest sowie beim größten Indexfondsanbieter Barclays Global Investors, gestützt. Fast alle berichten über weiter gestiegene Abflüsse im abgelaufenen Monat. Offizielle Zahlen gibt der BVI in einigen Wochen bekannt.

Allianz Global Investors nennt Abflüsse von drei Mrd. Euro bis zum 24. Oktober. Das wären etwa doppelt so hohe Rückgaben wie im September. In den ersten Oktober-Wochen habe es Abflüsse auf breiter Front gegeben, vor allem bei Geldmarkt- und Rentenfonds, sagt ein Cominvest-Vertreter. "Die einseitigen Aussagen zur Staatsgarantie von Einlagen ohne Berücksichtigung der Fondsvermögen haben im Oktober zur Verunsicherung und Abflüssen geführt", bestätigt Union Investment. Die klarstellenden Botschaften der Politik und der Branche über den Status und die Sicherheit eines Sondervermögens hätten zuletzt aber wieder zu einer deutlichen Abnahme der Rückflüsse geführt, betonen Cominvest und Union. Die Tendenz bleibe negativ, sagt ein DWS-Sprecher. "Wir erleben bei den Kunden eine unglaublich kurzfristige Zyklizität je nach Marktentwicklung", sagt er. Der Druck komme weniger privaten, eher von professionellen Anlegern, bestätigt Cominvest.

Bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs) scheint das Geschäft unbeeindruckt von den Börsenturbulenzen. Marktführer Barclays spricht von Zuflüssen von knapp 0,6 Mrd. Euro im Oktober.

Im September hatten an den Abflüssen bei Publikumsfonds Geldmarktfonds den größten Anteil. Nur Fonds mit Kapitalgarantie zogen 2,9 Mrd. Euro neues Kapital an. Die auf institutionelle Anleger zielenden Spezialfonds verbuchten dagegen Zuflüsse von gut vier Mrd. Euro.

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