Fondskrise: Kanam liquidiert offenen Immobilienfonds

Fondskrise
Kanam liquidiert offenen Immobilienfonds

Die Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert ein erstes Opfer. Die Münchener Gesellschaft Kanam löst ihren Fonds "US Grundbesitz" auf. Für Anleger endet damit eine jahrelange Unsicherheit. Seit zwei Jahren saßen sie auf ihren Fondsanteilen fest. Die Gefahr von Verlusten ist aber noch nicht gebannt.
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DÜSSELDORF. Die Kapitalanlagegesellschaft Kanam ist die erste, die einen offenen Immobilienfonds auflöst. Die Anleger des Kanam US-Grundinvest bekommen noch in diesem Jahr nach dem Verkauf von zehn der 17 Fondsgebäude in einer ersten Tranche 250 Mio. Dollar ausgezahlt. Das sind 45 Prozent des aktuellen Fondsvolumens. Ob Anleger ihre kompletten Einlagen zurückerhalten oder am Ende Einbußen erleiden, hängt davon ab, zu welchen Preisen die verbliebenen sieben Objekte verkauft werden.

Mit der Auflösung des Fonds entspreche die Gesellschaft dem Wunsch der Mehrheit der Anleger, teilte die Gesellschaft mit. Der Fonds war - wie viele andere auch - Ende Oktober 2008 nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers in Liquiditätsnot geraten und hatte die Rücknahme der Anteile ausgesetzt. Als einer von drei Fonds wurde er seither nicht geöffnet, Anleger konnten ihre Anteile also nicht mehr gegen Geld tauschen. Die Fondsgesellschaft musste nun entscheiden, ob sie den US-Grundinvest wieder aufmacht oder abwickelt. Die endgültige Entscheidung der ebenfalls betroffenen Offenen Immobilienfonds von Aberdeen und Morgan Stanley steht noch aus.

Ende Oktober hätte der Fonds wieder öffnen müssen, um eine Abwicklung zu vermeiden. Nach zwei Jahren laufen die im Investmentgesetz definierten Perioden für die Aussetzung der Anteilsrücknahme aus. Mit der Auflösung kommt Kanam der Abwicklung nun zuvor. Kanam erklärte, angesichts des zu erwartenden Rückgabevolumens sei eine nachhaltige Fortführung nicht möglich. Der Kanam US-Grundinvest wurde im Mai 2003 aufgelegt. Anfang September lag das Fondsvolumen noch bei 540,3 Millionen Dollar.

Der US-Grundinvest ist als einziger in Dollar notierter offener Immobilienpublikumsfonds ein Nischenprodukt. Ungewöhnlich ist auch, dass die Anleger über die Auflösung entscheiden konnten. Dies ist bei Publikumsfonds eigentlich nicht vorgesehen. Dass Kanam diesen Weg wählte, deutet darauf hin, dass überdurchschnittlich viele Großanleger in dem Fonds investiert waren. Denn den großen Publikumsfonds sind in der Regel die Anleger nicht bekannt.

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