Fondsmärkte
Fondsinvestoren greifen nach Risikoanlagen

Aktien und Anleihen aus Schwellenländern stehen bei Anlegern derzeit hoch im Kurs. Doch Experten warnen vor Euphorie. Zwar haben die Emerging Markets in der rasanten Börsenerholung der vergangenen Monate besser abgeschnitten als die Börsen der Industrieländer. Das könnte sich ändern.
  • 0

FRANKFURT. Im August kauften Investoren an den europäischen Fondsmärkten Produkte im Wert von netto 34,1 Mrd. Euro. Das geht aus einer Statistik der Londoner Analysefirma Lipper FMI hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. "Es ist für den Urlaubsmonat einer der besten Absatzwerte der vergangenen Jahre", sagt Diana Mackay, Leiterin der Analysefirma. Gefragt waren sowohl Aktien-, Anleihe- und Mischfonds als auch Geldmarktfonds.

Im bisherigen Jahresverlauf haben die Anleger Anteilsscheine für netto 144,2 Mrd. Euro erworben. Damit dürfte das Kalenderjahresergebnis die miserable Bilanz von 2008 mit Abzügen von rund 300 Mrd. Euro "auf jeden Fall übertreffen, auch wenn die Absätze in den kommenden Monaten schwanken sollten", sagt Mackay. Sie errechnet für das laufende Jahr rund 100 Mrd. Euro an Zuflüssen in Fonds für Langfristanlagen, das heißt Aktien-, Anleihe- und Mischprodukte. Ihrer Einschätzung nach kann die Branche bis zum Jahresende auf diesen wichtigen Feldern 150 Mrd. Euro einsammeln. Hier spielen die angelsächsischen Adressen eine wichtige Rolle.

Fachleute warnen jedoch vor Euphorie. Sie weisen beispielsweise auf die ausgeprägte Risikofreude der europäischen Anleger hin. Die Investoren haben im bisherigen Jahresverlauf bis einschließlich August 58,2 Mrd. Euro in Aktienfonds investiert - in der Vorjahresperiode hatten sie 80,8 Mrd. Euro abgezogen. Jetzt fließt das Kapital vor allem in Produkte für Schwellenländer. Emerging Markets haben sich in der rasanten Börsenerholung der vergangenen Monate weit besser entwickelt als die Börsen der Industrieländer. Bei einer Wende könnten Abzüge aus diesen Fondssektoren das Gesamtabsatzbild belasten.

Anlass zur Vorsicht gibt auch das Verhalten der vermögenden Privatanleger. Es waren diese Kunden, die laut Lipper FMI in der jüngeren Vergangenheit die Absatzzahlen beflügelt haben, nicht die Privaten mit kleinerem Geldbeutel. Die gut Betuchten werden der Analyse zufolge jetzt vorsichtiger. Im Gegensatz zu den übrigen Europäern haben die Eidgenossen im August netto Aktienfonds zurückgegeben. Die Lipper-FMI-Leiterin erkennt: "Hier sitzt das Top-Segment der vermögenden Privaten, und diese professionelle Klientel hat sich jetzt defensiv ausgerichtet." Die Gründe liegen ihrer Vermutung nach in Zweifeln an der Nachhaltigkeit der globalen Wirtschaftsstabilisierung und des Börsenaufschwungs.

Kommentare zu " Fondsmärkte: Fondsinvestoren greifen nach Risikoanlagen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%