Fondsmanager Christoph Bruns: „Mario Draghi steht bereit“

Fondsmanager Christoph Bruns
„Mario Draghi steht bereit“

Der schwache Jahresstart hat Christoph Bruns überrascht. Doch der Fondsmanager ist überzeugt, dass die Notenbanken einspringen. Dass China in den kommenden Wochen eine entscheidende Rolle spielen wird, erwartet er nicht.

Es ist eiskalt an diesem Morgen. Ungefähr so frostig ist auch die Stimmung an den Märkten. Wir treffen uns im Café Bulle & Bär, direkt neben der Frankfurter Börse - mit freiem Blick auf die beiden Bronzestatuen. Wie so oft seit Jahresbeginn hat an diesem Morgen der Bär die Nase vorn. Doch Christoph Bruns bleibt "bullish" - schon bald wird die Stimmung wieder besser werden, ist der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys überzeugt. Weniger optimistisch ist er, wenn es um die deutsche Aktienkultur geht.

Der Jahresauftakt ist gründlich schief gegangen. War es das mit der jahrelangen Rally?
Die Rally ist vom Tag eins an maßgeblich zinsbefeuert. Wenn man nun meint, dass es auf der Zinsseite keine Unterstützung mehr gibt, dann war es das. Aber das ist ja überhaupt nicht der Fall, sondern die Zinsseite sieht blendend aus – zumindest für die Aktienanleger. Es gibt eben keinen Zins mehr und der kommt auch nicht wieder. In Europa allemal nicht und die USA muss man beobachten. Da wird der Versuch unternommen, in eine alte, traditionelle Normalität zurückzukehren. Allgemein wird das für ausgeschlossen gehalten.

Die US-Notenbank geht auch eher Tippelschritte, oder?
So ist es. Bis zu einer Normalität, wie wir sie von früher kennen, ist es lange hin. Heißt also: Nein, das war es nicht mit der Rally, im Gegenteil. An der Situation hat sich gar nichts geändert. Zinsen gibt es nicht mehr. Aber die Notwendigkeit, Renditen zu erzielen – für die Lebensversicherer, für die Pensionskassen, für die Stiftungen – , die ist nicht entfallen. Und die tägliche Frage lautet: Wo soll die Rendite herkommen? An der Aktie kommt man nicht vorbei. Aber die Wahrheit ist auch: Man muss mitunter kräftige Schwankungen ertragen – der Jahresauftakt ist ja einigermaßen verunglückt.

Haben Sie damit gerechnet?
Nein, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet, aber es auch nicht für ausgeschlossen gehalten. Macht aber alles nichts, im Laufe des Jahres wird sich eine freundliche Tendenz durchsetzen. Aber jetzt müssen wir erstmal da durch.

EZB-Präsident Mario Draghi hat bereits Beruhigungspillen verteilt. Erwarten Sie mehr von ihm?
Mario Draghi steht bereit, weitere Maßnahmen zur Senkung des Zinsniveaus und des Euro herbeizuführen. Ganz unmissverständlich hat er abermals betont, er werde alles tun, was in seiner Macht stehe, um die von ihm gefühlte Deflation zu bekämpfen.

Zuletzt hat der Ölpreis für einige Turbulenzen an den Märkten gesorgt. Geht der Preisverfall weiter?
Wenngleich ich mir ein Timing des unteren Wendepunktes beim Ölpreis nicht zutraue, bin ich mir sicher, dass Erdöl nicht zehn Jahre lang bei 25 US-Dollar notieren wird. Der Angebotsüberhang ist obendrein nicht so groß, wie man angesichts des Preisverfalls meinen möchte. Eine Welt ohne Öl ist in den nächsten Jahrzehnten noch nicht vorstellbar. Angesichts der deutlich verfallenen Kurse im Öl- und Ölzuliefererbereich erwachsen diesem Sektor interessante Anlagemöglichkeiten mit Sicht auf die kommenden drei bis fünf Jahre. Falls es beim Öl noch eine längere Weile nach unten geht, entsteht hier womöglich die Anlagechance des Jahrhunderts.

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