Fondsmanager im Interview
„Die Lage ist besser als die Stimmung“

Christian von Engelbrechten gilt zurzeit als einer der talentiertesten Fondsmanager in Deutschland. Im Interview erklärt er, was für den Dax noch drin ist und warum Dividenden für ihn nebensächlich sind.
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Das Analysehaus Morningstar hat Christian von Engelbrechten (37) in diesem Jahr zum besten Fondsmanager für deutsche Aktien gekürt. Er habe durch einen „durchdachten Stock-Picking-Prozess“ überzeugt, so die Begründung. Der Preisträger verwaltet seit Januar 2011 den „Fidelity Funds - Germany Fund“. Der Fonds kommt auf ein Volumen von etwa einer Milliarde Euro. Sein Studium absolvierte er an der International School of Management (ISM) in Dortmund sowie in London und New York. Das Abitur schaffte er mit einem Schnitt von 0,9.

Herr von Engelbrechten, worauf schauen Sie in diesen Tagen: Quartalszahlen oder Nachrichten aus Russland?
Russland ist ein Risikofaktor. Die politische Unsicherheit belastet die Märkte. Aber langfristig sind die Zahlen der Unternehmen entscheidender.

Gehen Sie davon aus, dass sich der Konflikt zwischen dem Westen und Russland so einfach in Wohlgefallen auflöst?
Ich vertraue darauf, dass es zu einer diplomatischen Entscheidung kommen wird. Für beide Seiten wäre eine weitere Eskalation sehr teuer. Beide Seiten haben ein Interesse an einer Entspannung.

Haben Sie Vorkehrungen getroffen für den Fall, dass die Lage doch eskaliert?
Ich halte es für gefährlich, sich für ein Ereignis zu positionieren, das sich überhaupt nicht abschätzen lässt. Am Markt herrscht viel Nervosität. Aber man darf sich nicht von täglichen Schwankungen beirren lassen. Es kommt darauf an, die grundlegenden Trends zu erkennen.

Wie sehen die aus?
Der Welt geht es viel besser als die Leute wahrnehmen. Die Weltwirtschaft wächst – in diesem Jahr um drei bis vier Prozent.

Die Lage ist besser als die Stimmung?
Das kann man so sagen.

Würden Sie sagen: Die Krise ist vorbei?
Die Auswirkungen der hohen Verschuldung werden noch über Jahre zu spüren sein. Aber die extremen Risiken gibt es nicht mehr. Die Maßnahmen der Notenbanken haben gegriffen.

Die Notenbanken haben nicht die Ursachen der Krise behoben, sondern nur Zeit gekauft.
Die Zeit wurde genutzt, um strukturelle Reformen umzusetzen. Die Staaten in der europäischen Peripherie weisen inzwischen Leistungsbilanzüberschüsse auf. Die Exporte ziehen an. Bald wird sich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt entspannen.

Kommentare zu " Fondsmanager im Interview: „Die Lage ist besser als die Stimmung“"

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  • @Schaarschmidt

    Wieso würden Sie ein Zertifikat z.B. einem MDAX-ETF vorziehen?

  • Meistens ist es doch so,dass die Highflyer der Fondsszene im Folgejahr verglühen.Mir ist rätselhaft,warum man sich einen Fonds holen muss,wenn man über Indexzerties viel besser kommt.Jedes stinknormale Indexzertie auf den MDAX schlug diesen Fonds um Längen,das Zertie kauft man einmal und dann ist Ruhe,der Fonds kostet jährlich Gebühren,ob er performt oder Miese macht.

  • Wenn es unbedingt deutsche Aktien sein müssen, dann bitte einen Dax ETF kaufen (z.B. für 0,09% Kosten p.a.) und fertig.

    Der Fidelity Fonds hat nur mit Mühe über ein Jahr um sagenhafte 0,36% (vor Kosten) outperformt. Über 10 Jahre satte 3% inkl. diversen Fondsmanagerwechsel.

    Im Übrigen, wer bei Fidelity ein wirklich guter Fondsmanager ist, der sitzt in Dominic Rossis Team in UK & nicht in Kronberg.

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